BenBE's humble thoughts Thoughts the world doesn't need yet …

13.04.2009

Umweltschutz mit eigener Meinung

Filed under: Politik und Philosophie — Schlagwörter: , , — BenBE @ 19:09:21

Manche Diskussionen sind eigentlich eher scherzhaft gemeint, aber beinhalten doch irgendwo was wahres. Und sei es nur, der Umweltschutz mit eigener Meinung, der für einen denkenden Menschen doch zur Belastung werden könnte (dass diese Diskussion um morgens kurz nach 1 geführt wurde, sei hier nur am Rande erwähnt ;-)). Auslöser für diesen Post war mehr oder weniger eine Diskussion mit einem Kumpel, was die Themenwahl hier im Blog anging:

BenBE : Ich könnt das auch in 10 Einträgen schreiben … Material hätt ich genug …
BenBE : Aber ich will mich nicht mehr als nötig mit diesem Schund aufhalten …
Kumpel : *lol* ist so schon zeitaufwendig
BenBE : Wenn ich für jeden Furz 2ct Zahlen würde, müsst ich mein Grundrecht nach Artikel 5 GG als besondere Belastung von der Steuer absetzen.
Kumpel : nee du musst CO2-Steuer zahlen
Kumpel : fürs Ausatmen
BenBE : Muss ich da extra Emmisionen kaufen? Und wenn ja, kann ich für’s Schweigen eine Abwrack-Prämie verlangen?
Kumpel : klar ^^

Wie dieser kleine Abschnitt bereits andeutet, ergeben sich aus einer eigenen Meinung grundsätzlich folgende Fragestellungen, die einer Klärung bedürfen:

  • Ist meine Meinung („my two cent“) von der Steuer absetzbar, wenn ich zu ausreichend vielen Themen diese abgebe?
  • Gibt es Mengenrabatt?
  • Zählt eine eigene, geäußerte Meinung als Emmission und bedarf daher Emmissionszertifikaten?
  • Und wenn ja, sind die auch steuerlich absetzbar?
  • Wäre nach dieser Voraussetzung nicht auch eine Abwrack-Prämie für’s Schweigen nötig?
  • The Green Opinion: Wie sieht eine Meinung für den Umweltschutz aus?
  • Die 2ct-Klima-Sünder: Wer gehört dazu, wer nicht?

Aber gut, fangen wir von vorne an.

Wenn man einmal (rein hypothetisch) die häufig anzutreffende Signatur „My 2 cent“ wörtlich nehmen würde, und jede Meinungsäußerung diesem Wert gleich setzte (den der Äußerden „gezahlt“ hätte, so käme man doch zu der Situation, dass es für einen engagierten Menschen unpraktisch wird, sich zu betätigen, oder seine Meinung zu vertreten – im Grunde genommen also dazu, dass man effektiv die eigene Meinung verwirft und sich der Masse angleicht.

In einem freiheitlichen, demokratischen Staat ist es aber geradezu tödlich, wenn es keinen Diskurs verschiedener Positionen zu einem Thema mehr gibt, weshalb hier ein Ausgleich geschaffen werden müsste. Dieser Ausgleich könnte z.B. sein, dass man jede Meinungsäußerung als Hinderung seiner Meinungsfreiheit auffasst – was es ja schließlich auch ist – und daher einen Ausgleich fordert. Setzt man diesen Ausgleich z.B. mit Hilfe von Steuern um, und macht eine eigene Meinung absetzbar, wäre dies zwar sicherlich äußerst interessant für’s Kabarett („Dieser Scherz wird ihnen freundlich präsentiert von unserem Finanzamt und meinem Steuerberater“), doch würde es eigentlich gleichzeitig auch Begehrlichkeiten auf der Seite der Stummen und Meinungslosen fördern, denn nicht jeder Furz muss auch ausgeführt werden.

Vielmehr könnten Kritiker von freier Meinung meinen, die ständig gelassenen Fürze in Blogs und Diskussionsforen seien mit CO2-Emmissionen gleichzusetzen und verpesten nur die Umwelt. Demnach müsste man also nicht begünstigen, wer seine eigene Meinung vertritt, sondern, wer sich verpflichtet, nichts zu sagen. Diese Abwrack-Prämie für freie Meinung sind im Grunde das, was wir in der Politik sehen: Stumme Marionetten, die als Stimmvieh die Interessen ihrer Herren durchsetzen, da sie selber nicht den Mut haben, selber zu investieren, um ihre eigene Meinung zu fassen und zu vertreten.

Womit wir bei der „Green Opinion“ wären, deren Gestaltung im Grunde sich danach richten sollte, wie wir am ökologischsten mit unserer Gesellschaft umgehen können. Wie überall in der Natur, ist es auch in der Gesellschaft nicht einfach möglich, nur mit zwei Farben zu malen und damit den Kern zu treffen. Auch wenn CO2 in Überdosen schädlich ist, kann es doch, wenn es zu wenig vorhanden ist, zu Mangelerscheinungen bei denjenigen kommen, die davon leben müssen. Übertragen wir dies auf eine Gesellschaft, so kann der Mangel an Meinungen zu Mangel an Handlungsfähigkeit führen und damit zum Tod der Gesellschaft. Herrscht jedoch zu viel Meinung vor, kommt es zu einer Übersättigung und ein gesundes Wachstum wird unmöglich – es wuchert die Willkühr, weil jede Handlung mit einer Meinung rechtfertigt werden kann und eine Wertung dieser, d.h. eine Aufnahme und Verarbeitung dieser, nicht mehr stattfindet.

Es geht hier also weniger darum, wie eine Meinung aussieht, ob diese akzeptiert wird, oder nicht, sondern vielmehr um eine gesunde Regulation von Meinungen, die mit den Handlungsmöglichkeiten der Gesellschaft in einem ausgewogenen Verhältnis stehen. Von daher kann es durchaus sein, nötig sein, eine Abwrack-Prämie für eigene Meinung einzuführen, wenn dies nötig wird; im Gegenzug dazu muss aber auch Aufklärung geleistet werden, wenn zu einem Themenkomplex Mangel an eben diesen herrscht. Derzeit ist eher letzteres der Fall, auch wenn der erste Fall praktiziert zu werden scheint.

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1 Kommentar »

  1. Interessanter Ansatz, „Ausgleich von Meinung und Anpassung in einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft“. Irgendwelche Soziologiestudenten hier, die Dissertationsthemen suchen?

    Die Frage ist ja aber auch: wenn man nur Fragen in den Raum wirft und davon weg wild rum spekuliert so wie du jetzt hier, gilt das dann bereits als Meinungsäußerung? Und wenn diese Meinung nicht allgemein akzeptier(t|bar) ist, ist das dann vorsätzliche Umweltverschmutzung? Sowas sollte ja wohl nicht von der Steuer absetzbar sein. Muss als das Finanzamt jede Meinungsäußerung prüfen und ggf. die Erstattung ablehnen?

    Just my 2 cents,
    Martok

    Kommentar by Martok — 13.04.2009 @ 22:41:32

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