BenBE's humble thoughts Thoughts the world doesn't need yet …

19.01.2010

Die Veränderung der Konstanz

Filed under: Politik und Philosophie — Schlagwörter: , , , — BenBE @ 17:48:20

Unsere Welt ist schnell geworden. Für einige gar zu schnell. Schaut man sich einmal um, so findet man sich ständig umgeben von Veränderung, Erneuerung. Es gibt keine Welt, die stillsteht… So beschreibt es zumindest Peter Glaser:

Früher gab es einen Zustand, dann kam eine Veränderung, dann ein neuer Zustand. Jetzt ist Veränderung der Zustand. Früher hat der Große den Kleinen gefressen, dann fraß der Schnelle den Langsamen. Nun wird das Manchmal vom Immer verschluckt.

Doch ist unsere Welt wirklich bereits in ständigem Fluss. Oder war sie das nicht vielleicht schon immer, aber wir haben es einfach nicht mitbekommen?

Schaut man sich um, so passieren jeden Tag auf der Welt zahlreiche Dinge. Man geht morgens zur Arbeit, während andernorts Leute von Arbeit kommen; man isst gemütlich mit Kollegen Mittag, während andernorts in einer lockeren Runde ein gemütlicher Abend mit Freunden verbracht wird. Ja sogar während diese Zeilen geschrieben werden, fällt irgendwo in China vielleicht gerade ein Sack reis um und kündigt allein dadurch, dass er es tut, oder auch nicht die nächste Katastrophe an. Nur während wir einen Teil der aufgezählten Ereignisse aktiv wahrnehmen können, entziehen sich andere Ereignisse unserer Wahrnehmung.

Wir sind blind gegenüber der Distanz des Ereignisses, taub gegenüber der Natur und stumm gegenüber unseren Wünschen.

War der Sack Reis für uns im Mittelalter – allein schon wegen seiner Entfernung zu uns – in seiner Existenz noch unvorstellbar, rückte er mit der vortschreitenden Entwicklung der Technik immer näher in unser Leben. Dinge, die wir bisher nicht wahrgenommen haben, wurden plötzlich fassbar. Unser Lebensbereich vergrößerte sich mit jeder Entwicklungsstufe. Doch was unverändert blieb, waren wir.

Der Mensch tauschte Innovationen aus, entwickelte neue Technik, doch blieb selbst in seiner Unvollkommenheit gefangen. Durch immer neue Technik versuchte er dies zwar zu überspielen, oder zu kompensieren, was ihm zu Weilen auch gelang. Neue Technik hob ihn immer weiter von der Umwelt ab, aus der er einst entstanden war. Er formte diese nach seinen Erfordernissen – so glaubte er -, sah aber nicht, welche Zerstörung er anrichtete. Die Menschen entwickelten ihre Gesellschaft stetig weiter. Doch was unverändert blieb, waren wir.

An einem Punkt angekommen, an dem der Mensch sich als Schöpfer fühlte, Technik und Wissenschaft jeden Tag auf’s Neue Wunder vollbrachten und Wissen nicht mehr aus Neugier, sondern als Mittel zum Zweck, gesammelt wurde, begann der Mensch, seine Wünsche zu erfüllen. Oberflächliche, gar banale Wünsche wurden von seinen Wundermaschinen am Fließband erfüllt. Mit Technik wurde das Leben beschleunigt, bis er sich durch die schiere Geschwindigkeit selbst abgehängt hatte. Denn was unverändert blieb, waren wir!

Wir, das sind Menschen, die wir uns durch das Menschsein definieren. Die nicht als reine Filterfunktion in irgendeinem Netzwerk auftauchen wollen, keine Schraube in einer Maschine, deren Zweck wir nicht kennen, sondern Wesen, die wir mit unseren beschränkten Kapazitäten mehr sein wollen, als nur Mittel zum Zweck. Wesen, mit einer begrenzter Wahrnehmung, die ihren Platz in dieser Welt finden wollen, die sich jeden Tag auf’s Neue erfindet, um dennoch ewig gestrig zu sein.

Der Reissack in China ist endlich umgefallen – oder auch nicht. Denn im Endeffekt ist es egal, ob er nun fällt oder sich neu aufrichtet um irgendwann einmal zu fallen. Statt unser Leben von ihm abhängig zu machen, indem wir ihn an eine Leine nehmen, sollten wir ihn ignorieren, um uns selbst in Sicherheit zu bringen.

Und wenn wir erst einmal im Kleinen die vielen unwichtigen Dinge hinter uns gelassen haben, können wir uns um Wichtigere, größere Reissäcke kümmern, die an jeder Ecke auf uns warten. Dinge, die uns voranbringen, eine Gemeinschaft zu bilden, die größer ist, als wir selbst. Eine Gemeinschaft, die uns im Endeffekt hilft, auch wieder jeden Reissack vor dem Umkippen zu bewahren, da wir nun die Resourcen haben, uns auch um diese Dinge zu kümmern.

Derzeit leben wir in einem Zustand, in dem sich die Welt jeden Tag auf’s Neue zu verändern scheint. Doch schaut man genau hin, so ist jeder dieser unterschiedlichen Eindrücke nur der Perspektive des Betrachters verschuldet. Es ist die gleiche Welt, denn bisher haben wir sie noch nicht verändert.

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