{"id":94,"date":"2009-02-04T17:35:02","date_gmt":"2009-02-04T17:35:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=94"},"modified":"2009-02-04T17:42:16","modified_gmt":"2009-02-04T17:42:16","slug":"zensur-mit-abmahnungen-die-bahn-einmal-punktlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=94","title":{"rendered":"Zensur mit Abmahnungen: Die Bahn einmal p\u00fcnktlich!"},"content":{"rendered":"<p>Wer das Internet als rechtsfreien Raum bezeichnet, meint damit meist Otto Normalb\u00fcrger, der sich zu Unrecht etwas aus dem Internet geholt hat, was er nicht gedurft h\u00e4tte; aber eigentlich trifft diese Darstellung wesentlich besser auf die moderne Umgangsform gewerblicher Verbrecher in Aktiengesellschaften und solchen Unternehmen, die einmal welche werden wollen, zu. Wenn man aber einerseits fordert, dass die Leute gegen\u00fcber einem selbst ehrlich sein sollen, so sollte man dies auch anderen gegen\u00fcber sein; wenn man also Straftaten begeht, sollte man auch zu diesen stehen!<\/p>\n<p>Die Ausnahmen stellen hier immer wieder die gro\u00dfen Konzerne dar: Da <a title=\"Telekom verliert 17 Millionen Kundendaten\" href=\"verliert man hier einmal ein paar Kundendaten\">verliert man hier einmal ein paar Kundendaten<\/a>, sammelt dort einmal <a title=\"Lidl \u00fcberwacht wiederholt Mitarbeiter\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Datenschutzverletzungen-Lidl-faellt-als-Wiederholungstaeter-auf--\/meldung\/105555\">ein paar tausend Datens\u00e4tze zu viel<\/a>, <a title=\"Telekom-Dienstleister l\u00f6schen Kundendaten nicht\" href=\"http:\/\/www.golem.de\/0901\/64672.html\">outsourcet deren Verarbeitung<\/a>, um <a title=\"Datenpanne bei der LBB\" href=\"Weihnachtsstollen an hungernde Postangestellten\">Weihnachtsstollen an hungernde Postangestellten<\/a> zu verteilen, oder Zweckentfremded diese gleich ganz, um <a title=\"\u00dcberwachungen bei der Bahn\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Neuer-Wirbel-um-Mitarbeiter-Ueberwachungen-bei-der-Bahn--\/meldung\/122079\">im Kleinen zu probieren<\/a>, was die <a title=\"TK-\u00dcberwachung und Online-Durchsuchung\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/ct\/Von-Datenschutz-und-Schaeuble-Katalog-Terrorbekaempfung-TK-Ueberwachung-Online-Durchsuchung--\/hintergrund\/meldung\/95584\">Regierung gerade erst entwickelt<\/a>.<!--more--><\/p>\n<p>Aber gut. Alle Tiere sind gleich, nur manche sind gleicher. Und so kommt es, wie es immer kommt: Wenn die \u00d6ffentlichkeit von etwas erf\u00e4hrt, was nicht rechtens ist, so wird die Diskussion so lange hinausgez\u00f6gert, bis keiner mehr daran interessiert ist. Sollte dies nicht gelingen, so schafft man sich unliebsame Personen aus dem Weg. So geschehen bei der Deutschen Bahn, die zuerst <a title=\"Schaar kritisiert mssenhaften Datenmissbrauch bei der Bahn\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Schaar-kritisiert-massenhaften-Datenabgleich-bei-Bahn-Mitarbeitern--\/meldung\/122865\">Kundendaten zur Korruptionsaufdeckung zweckentfremdet<\/a>, ohne die Berechtigung daf\u00fcr zu besitzen, ferner Polizeiaufgaben erf\u00fcllt, ohne die daf\u00fcr die n\u00f6tige Berechtigung zu besitzen und <a title=\"Datensch\u00fctzer weist Vorw\u00fcrfe der Bahn zur\u00fcck\" href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/Datenschuetzer-weist-Vorwuerfe-der-Bahn-zurueck--\/meldung\/126762\">am Ende war es wieder keiner<\/a>. Ach nein, stimmt ja nicht: Da gab es ja ein <a title=\"Internes Memo der Bahn zur Mitarbeiter-Rasterfahndung\" href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/2009\/das-memo-zu-der-rasterfahnung-bei-der-deutschen-bahn\/\">internes Memo<\/a>, was die Bahn aus dem Weg haben wollte, und daher <a title=\"Deutsche Bahn schickt mir Abmahnung\" href=\"http:\/\/netzpolitik.org\/2009\/deutsche-bahn-ag-schickt-mir-abmahnung\/\">auch einmal renomierte Blogs wie netzpolitik.org von Markus Beckedahl abmahnt<\/a>.<\/p>\n<p>Und dass doch gerade, wo dieser Konzern nun nicht gerade f\u00fcr seine P\u00fcnktlichkeit und prompte Reaktion bekannt ist. Woran erinnert das? Ach ja: FUD! Hier wird eindeutig mit plumbesten Mitteln versucht, Angst zu verbreiten und die Leute abzuschrecken, eine Meinung zu vertreten, zu der man unausweichlich kommen muss.<\/p>\n<p>Das Internet ist offen &#8211; und sollte es auch immer sein. Das Internet sollte Informationen frei zug\u00e4nglich machen &#8211; denn nur dadurch k\u00f6nnen qualifizierte Urteile in demokratischen Prozessen getroffen werden. Aber genau dieser Aspekt des Internets scheint bei unseren Internetausdruckern und ihren Kollegen noch nicht angekommen zu sein. Das Internet l\u00e4sst sich nicht zensieren! Wer dies versucht, muss scheitern, denn das Internet &#8211; und seine Benutzer jeder f\u00fcr sich &#8211; entscheidet \u00fcber die Wichtigkeit einer Information. Wer eine Information unterdr\u00fccken will, sorgt allein daf\u00fcr, dass sie als wichtiger wahrgenommen wird. Und das ist gerade bei diesem Thema wichtig!<\/p>\n<p>In einer freiheitlichen Gesellschaft, in der es zudem Grundrechte gibt, darf es einfach nicht sein, dass Informationen unterdr\u00fcckt werden, weil sie dem Image schaden k\u00f6nnen &#8211; obwohl: Welchem Image? Auch bietet unser Grundgesetz einen Anspruch auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung und vor allem Pressefreiheit, der von unterschiedlichen Seiten unterschiedlich stark wahrgenommen wird. Wenn hier also einmal jemand voran geht und die Informationen vollst\u00e4ndig ver\u00f6ffentlicht, wo andere nur sinngem\u00e4\u00df wiedergeben, so ist dieses Vorgehen hoch anzurechnen, da es wesentlich besser erlaubt, das Gelesene zu bewerten. Und das es authentisch ist, wissen wir ja jetzt \ud83d\ude09<\/p>\n<p>Was mich aber wesentlich mehr aufregt, als diese wiederholten Stasi-Klone, die durchaus schlimm f\u00fcr die Betroffenen und ein Armutszeugnis f\u00fcr die Verantwortlichen sind, ist der Umgang mit Au\u00dfenstehenden, die die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber diese Vorg\u00e4nge (die leider bereits Usus geworden zu sein scheinen) in Kenntnis setzen m\u00f6chten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend man vor 2000 Jahren sich bei Meinungsunterschieden lautstark auf den Marktplatz stellte und versuchte, mit Argumenten zu einigen, ggf. auch einmal mit L\u00f6wen kuscheln ging, wenn gar nichts half, so wird man heute gleich durch eine Armee von Anw\u00e4lten zerfetzt, damit man nicht auf die dumme Idee kommt, auch \u00fcberhaupt nur eine Meinung zu besitzen. Mir fehlt in dieser Gesellschaft die Einsicht, dass manchmal auch freundliche Worte helfen k\u00f6nnen, ohne das Dokument, in dem diese Formuliert sind gleich mit dem Betreff Mahnung zu \u00fcberschreiben.<\/p>\n<p>Es gilt nicht mehr einer hilft dem anderen, sondern einer gegen den anderen. Jeder sticht dem anderen ein Auge aus, damit er am Wochenende sein Schaschlik genie\u00dfen kann. Es geht nicht mehr darum, einen Kompromiss zu finden, der allen hilft, sondern seinem Gegen\u00fcber zu zeigen, <a title=\"Intro-Movie zu Command&amp;Conquer Generals\" href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=yy1GMVPFrQs\">dass man den l\u00e4ngeren hat<\/a> &#8211; Staab an \u00fcbereifrigen Rechtssklaven, die alles und jeden unterjochen, der anderer Meinung ist.<\/p>\n<p>Dieses System ist krank, wenn es einfach jeden unter Generalverdacht stellt, um die Symptome zu bek\u00e4mpfen, anstatt die Ursachen einmal in Angriff zu nehmen. Es geht nicht darum, jeden Fehltritt zu protokollieren, sondern Dinge zu verfolgen, die unser Leben wirklich nachhaltig behindern. Eine Gesellschaft sollte dabei auf Konsens aus sein, da nur damit ein friedliches Zusammenleben m\u00f6glich ist. Wenn jeder gern Human-Schaschlik isst, sind am Ende alle Blind und irgendwann verhungert.<\/p>\n<p>Und daher sollte endlich einmal wieder Dialog herrschen, anstatt von oben herab so zu tun, als ob die gesamte Gemeinde allein aus schwarzen Schafen besteht; die Mehrheit zu haben, hei\u00dft nicht automatisch Recht zu haben, es hei\u00dft nur, dass eine gewisse Meinung favorisiert zu werden scheint. Die Meinung der Masse muss l\u00e4ngst nicht richtig sein; die eigene aber auch nicht!<\/p>\n<p>Von daher sollte man, wenn man wieder einmal anderer Meinung wie sein Gegen\u00fcber ist, nicht gleich mit der Keule kommen, sondern es einmal mit freundlichen Worten versuchen. Meinungsverschiedenheiten l\u00f6sen sich damit wesentlich schneller und nachhaltiger &#8211; da braucht es keine b\u00f6sen Terroristen oder Korrupte Mitarbeiter!<\/p>\n<p>Zudem ist es auch nicht schlimm, einmal \u00f6ffentlich Fehler einzugestehen. Irren ist Menschlich; nicht umsonst rennen auf der politischen B\u00fchne soviele davon herum, denn Politiker sind auch nur Menschen &#8211; Irre, oder? Dass man sich irren darf hei\u00dft aber nicht, dass man merkbefreit ist und tun darf, was man will: Mit den \u00c4mtern kommt die Verantwortung f\u00fcr sich selbst und die Menschen die man (ver)tritt. Als Vertreter ist man f\u00fcr die Menschen da, um diese zu vertreten. Dies ist nicht M\u00f6glich, wenn man ihnen nur in Abh\u00e4ngigkeit der Gr\u00f6\u00dfe ihrer Koffer zuh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Eine Gesellschaft kann nur auf Offenheit, Vertrauen und Freiheit funktionieren &#8211; genau das Gegenteil von dem, auf dass wir grad mit Vollgas zusteuern. Solange man nicht selbst ehrlich ist, werden andere dies auch nicht tun. Schon allein deshalb sollte man einen Skandal unkompliziert und f\u00fcr jeden transparent aufdecken und nicht einfach wild drauf los klagen, weil da jemand etwas zug\u00e4nglich macht, was man sich selber nicht eingestehen will.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=94&amp;md5=0d8e278bf475eebc7cdb09510a38a90c\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer das Internet als rechtsfreien Raum bezeichnet, meint damit meist Otto Normalb\u00fcrger, der sich zu Unrecht etwas aus dem Internet geholt hat, was er nicht gedurft h\u00e4tte; aber eigentlich trifft diese Darstellung wesentlich besser auf die moderne Umgangsform gewerblicher Verbrecher in Aktiengesellschaften und solchen Unternehmen, die einmal welche werden wollen, zu. 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