{"id":782,"date":"2010-10-10T14:45:47","date_gmt":"2010-10-10T12:45:47","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=782"},"modified":"2010-10-10T14:45:47","modified_gmt":"2010-10-10T12:45:47","slug":"medienkonsum-in-neuem-gewand","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=782","title":{"rendered":"Medienkonsum in neuem Gewand"},"content":{"rendered":"<p>Dass sich die Medienlandschaft st\u00e4ndig \u00e4ndert, ist nicht erst seit den letzten Jahren sichtbar, sondern war eigentlich immer der Fall, wenn neue technische M\u00f6glichkeiten danach gesucht haben, effektiv genutzt zu werden. Als eine der neusten Errungenschaften wird zwar hierbei oft das Internet ausgemacht, jedoch bietet dieses nichts per se Neues, sondern lediglich einen neuen Kanal, um Medien zu verbreiten und somit \u00fcber die klassischen, meist physisch gebundenen Verbreitungsformen hinaus neue Nutzungsarten zu erschlie\u00dfen.<!--more--><\/p>\n<p>Betrachtet man diese Entwicklung einmal \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum, so f\u00e4llt nicht nur die stetige Ver\u00e4nderung der Technik auf, sondern auch die Art, wie mit dieser umgegangen wird. Was fr\u00fcher durchaus normal erschien, stellt sich oftmals im Nachhinein als <a href=\"http:\/\/www.neunetz.com\/2010\/08\/25\/filesharing-flattr-und-bezahlschranken-die-aufloesung-historischer-unfaelle\/\">historischer Unfall<\/a> heraus: Viele Umgangsformen sind im Wesentlichen durch unsere technischen M\u00f6glichkeiten erzwungen und verschwinden, wenn sich die Technik weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die Technik, mit deren Hilfe in der Gesellschaft kommunikation stattfindet wandelt sich, sondern auch deren Nutzung, was das Web f\u00fcr manche wie den <a href=\"http:\/\/gutjahr.biz\/blog\/2010\/10\/wild-web\/\">wilden Westen<\/a> erscheinen l\u00e4sst. Wer diese M\u00f6glichkeiten nutzt und dabei anderen an ihrer Ehre kratzt, oder einfach sich nichts vorschreiben lassen will, <a href=\"http:\/\/www.nbcphiladelphia.com\/news\/local-beat\/Pay-Up-or-Shut-Up-Bloggers-Charged-300-for-Their-Thoughts-101302694.html\">wird dann gern mal mundtot gemacht<\/a>. Wenn durch die Kultivierung der Publikationsm\u00f6glichkeiten pl\u00f6tzlich jeder zum Sender wird &#8211; in Konkurrenz zu den etablierten Medien wie Zeitung, Radio und Fernsehen -, so ist ein Wandel unvermeidbar. Wie dieser aussehen wird, ist im Detail offen, da Vieles auch davon abh\u00e4ngt, wie diese neuen M\u00f6glichkeiten von jedem Einzelnen angenommen werden, aber bereits jetzt ist absehbar, dass mit dem Web ein weiteres Medium entstanden ist, dass sehr viel Potential f\u00fcr tiefgreifende Ver\u00e4nderungen in der Gesellschaft besitzt.<\/p>\n<p>Und sei es, dass erst mit Hilfe des Internets, dem gro\u00dfen Bruder des Web, ein freier Informationsaustausch m\u00f6glich wird, der hilf, Zensur zu umgehen. Es gibt nicht mehr den zentralen Sender &#8211; die Zeitung, das Radio, das Fernsehen &#8211; die zentral kontrolliert werden k\u00f6nnen. Jeder ist Sender und Empf\u00e4nger zugleich. Aus einem klassischen Broadcast des Staates ist Bittorrent f\u00fcr Jedermann geworden. Die Berichterstattung ist redundant geworden: Fehlt bei einer Quelle eine Angabe, so findet man sie in einer weiteren. Wer sich informieren will, bekommt die M\u00f6glichkeit, dies auch zu tun.<\/p>\n<p>Es ist ein Wegfall klassischer staatlicher Kontrollm\u00f6glichkeiten: Konnte der Staat fr\u00fcher durch die Kontrolle der Informationen, die Jedermann erfuhr bestimmen, wie sich die Meinung in der Gesellschaft entwickelte, f\u00e4llt diese aktive Komponente der gesellschaftlichen Steuerung immer weiter aus der Hand. Neuigkeiten erreichen inzwischen die Massen bevor die klassischen Redaktionen auch nur eine Chance zur Analyse der Situation hatten. Passiert irgendwo etwas, so ist man &#8211; Interesse und die n\u00f6tigen Filter vorausgesetzt &#8211; quasi in Echtzeit dar\u00fcber im Bilde.<\/p>\n<p>Vorg\u00e4nge in der Gesellschaft sind f\u00fcr jeden, der sie sehen m\u00f6chte inzwischen transparent geworden. Und die einzige Weigerung dagegen bilden die alten Institutionen, die durch diese Offenlegung der Zusammenh\u00e4nge einen Gesichtsverlust bef\u00fcrchten, oder <a href=\"http:\/\/www.neunetz.com\/2010\/03\/16\/shirky-institutionen-werden-versuchen-die-probleme-zu-erhalten-fuer-die-sie-die-loesung-sind\/\">deren Gesch\u00e4ftsmodell zur Disposition steht<\/a>, da es auf Grund der wegfallenden Sachzw\u00e4nge obsolet geworden ist.<\/p>\n<p>Aber Transparenz birgt auch Probleme: Wenn jeder immer alles mitbekommt, erstickt der Einzelne in der schieren Informationsflut. Wenn alles nur noch transparent ist, erkennt man am Ende dennoch kein Gesamtbild. Es bedarf einfach Filtern, die die Transparenz wieder in ein erkennbares, klares Bild verwandeln. Und genau diese Filter sind es auch, die den etablierten Medien und Institutionen Angst machen, da jeder Filter sein kann und sie somit selber in der Bedeutungslosigkeit versinken, wenn kein Umdenken stattfindet.<\/p>\n<p>Das klassische Finanzierungsmodell funktioniert in einer solchen Umgebung nicht mehr. Es gibt nicht mehr wenige zentrale Gatekeeper &#8211; Informationszollstationen -, sondern viele unabh\u00e4ngige kleine Sendestationen, die jede f\u00fcr sich ihr Auskommen sichern wollen. Und das gerade in einer Zeit, in der der technische Fortschritt zigfach bestehende Einschr\u00e4nkungen aufhebt. Es gilt nicht mehr der Wert des Transportmediums als Wert einer Information, sondern deren Nutzen f\u00fcr den Empf\u00e4nger. Nicht mehr der Sender entscheidet \u00fcber seine Einnahmen, sondern seine Rezipienten. Die Bezahlung von Informationen verlagert sich nach deren Konsum und gew\u00e4hren somit dem Empf\u00e4nger die M\u00f6glichkeit, zu entscheiden, welche Informationen es ihm wert sind, belohnt zu werden.<\/p>\n<p>Und genau hier setzen zahlreiche &#8222;Social Payment&#8220; Services an: Man schafft eine M\u00f6glichkeit, dass jeder Nutzer selber entscheiden kann, f\u00fcr welche Leistungen er Geld ausgibt. Gibt es also einen Interpreten, der gute Musik macht, so kann man diesem direkt &#8211; unter Umgehung der klassischen Vertriebswege &#8211; einen Gegenwert bieten; liefert jemand Hintergrundinformationen zu einem Thema, kann man ihm auch diese Arbeit entlohnen. Auf diese Weise wird gef\u00f6rdert, dass jeder Sender auf direktem Wege f\u00fcr seine Arbeit belohnt wird.<\/p>\n<p>Eines dieser Systeme &#8211; neben zahlreichen anderen wie <a href=\"http:\/\/www.kachingle.com\/\">Kachingle<\/a> &#8211; ist <a href=\"http:\/\/flattr.com\/\">Flattr<\/a>. W\u00e4hrend die Idee hinter allen Systemen im wesentlichen die gleiche ist (Man zahlt einen gewissen Betrag ein, der in regelm\u00e4\u00dfigen Abst\u00e4nden auf die gew\u00fcnschten Sender verteilt wird), bietet Flattr eine relativ einfache Nutzung an, und ist auch sonst recht schlank gehalten. Dennoch sollte man sich aber der zahlreichen <a href=\"http:\/\/www.caracasa.de\/2010\/06\/07\/flattr-einmal-kritisch\/\">Kritikpunkte<\/a> bewusst sein.<\/p>\n<p>So hat Flattr einen relativ hohen Eigenbehalt bei eingezahltem Geld (etwa 10% sind Verwaltungskosten, die nicht zur Auszahlung kommen), was u.a. an den genutzten Transaktionsmethoden (via Paypal bzw. Moneybookers) liegt. Aber auch die Verrechnung der Einnahmen ist nicht ohne Probleme, da solche Einnahmen als Spenden gelten. Auch der Status einer &#8222;Privatseite&#8220; ist mit solchen Diensten nicht mehr haltbar. Zus\u00e4tzlich kommen eine <a href=\"http:\/\/www.fixmbr.de\/facebook-und-flattr-blocken\/\">Reihe von Datenschutzaspekten<\/a> dazu, die die Abw\u00e4gung nicht ganz ohne Komplikationen machen. Wenn man aber bedenkt, dass dies im Wesentlichen die gleichen Probleme wie mit dem <a href=\"http:\/\/www.uni-muenster.de\/Jura.itm\/hoeren\/INHALTE\/lehre\/lehrematerialien.htm\">Betrieb einer Internetpr\u00e4senz<\/a> allgemein sind, so relativiert sich die Problematik wieder.<\/p>\n<p>Unabh\u00e4ngig davon, wie ein Service im Endeffekt funktioniert, sollte man sich jedoch auch immer anschauen, ob er die eigenen Erwartungen erf\u00fcllt. Viele, oft nur kurzzeitige Nutzer, beklagen sich immer dar\u00fcber, dass derartige Dienste Boullevard-Journalismus und die Party-Bilder von letzter Woche finanziert werden, befasst man sich jedoch etwas l\u00e4ngerfristig mit der Thematik und geht unvoreingenommen an die Einsch\u00e4tzung findet man durchaus auch <a href=\"http:\/\/www.peppertop.com\/blog\/?p=824\">interessante Dinge<\/a>, auf die man sonst nicht aufmerksam geworden w\u00e4re.<\/p>\n<p>Wenn also der Vorwurf kommt, Leute, die diese Dienste nutzen, betteln um Einnahmen, damit Sie ihre Hostingkosten gedeckt bekommen, so mag das durchaus auf einige zutreffen; es gibt jedoch genug anderen Content, der durchaus spannend ist und auf seine Entdeckung wartet. Flattr sollte man weniger als Bezahldienst, als viel mehr als eine M\u00f6glichkeit auffassen, f\u00fcr Content, der einem gef\u00e4llt, zu spenden. Wenn ein Stra\u00dfenmusiker gute Musik spielt oder die Performance gelungen ist, gibt man auch sonst freiwillig f\u00fcr die dargebotene Leistung.<\/p>\n<p>Eine Reihe von OpenSource-Projekten haben dies bereits verstanden und bietet bereits Flattr als eine der M\u00f6glichkeiten zum Spenden f\u00fcr diese Projekte an. Eine interessante Sammlung bietet hierf\u00fcr Rapha\u00ebl Hertzog in seinem Blog unter der \u00dcberschrift <a href=\"http:\/\/raphaelhertzog.com\/flattr-foss\/\">Flattr for FOSS<\/a>. Die Vorschl\u00e4ge f\u00fcr <a href=\"http:\/\/raphaelhertzog.com\/2010\/09\/01\/free-software-to-flattr-sep-2010\/\">September<\/a> und <a href=\"http:\/\/raphaelhertzog.com\/2010\/10\/01\/flattr-foss-suggestions-oct-2010\/\">Oktober<\/a> klingen alle samt recht interessant und decken sich im Wesentlichen mit dem Gedanken, was ich mir auch sonst bei Flattr w\u00fcnsche.<\/p>\n<p>Wer also immer nur \u00fcber neue Technik meckert, ohne ein gewisses Ma\u00df an Offenheit mitzubringen, wird sich schnell abgeh\u00e4ngt sehen. Und auch wenn ich nicht gerade auf jeden Zug aufspringe, ist eine gewisse Risikobereitschaft einfach f\u00fcr Ver\u00e4nderung notwendig. Die Chancen, diese Ver\u00e4nderungen umzusetzen bieten sich derzeit und sollten nicht ungenutzt am Rande liegengelassen werden.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=782&amp;md5=e3264af83326d3505946edaec3d745b2\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass sich die Medienlandschaft st\u00e4ndig \u00e4ndert, ist nicht erst seit den letzten Jahren sichtbar, sondern war eigentlich immer der Fall, wenn neue technische M\u00f6glichkeiten danach gesucht haben, effektiv genutzt zu werden. Als eine der neusten Errungenschaften wird zwar hierbei oft das Internet ausgemacht, jedoch bietet dieses nichts per se Neues, sondern lediglich einen neuen Kanal, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[8,38,307,95,69,7,94,128,68,264,67,63],"class_list":["post-782","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophie","tag-blogs","tag-datenschutz","tag-flattr","tag-gesellschaft","tag-internet","tag-links","tag-medien","tag-meinung","tag-netzpolitik","tag-opensource","tag-uberwachung","tag-zensur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/782","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=782"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/782\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":914,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/782\/revisions\/914"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=782"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=782"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=782"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}