{"id":593,"date":"2010-03-20T00:45:40","date_gmt":"2010-03-19T23:45:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=593"},"modified":"2010-03-20T00:45:40","modified_gmt":"2010-03-19T23:45:40","slug":"politische-symbole","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=593","title":{"rendered":"Politische Symbole"},"content":{"rendered":"<p>Wenn man sich in diesem Lande umschaut, so erblickt man in Bezug auf Politik in der Regel genau eines: Verdrossenheit. Nicht, dass alle unpolitisch w\u00e4ren, oder dass ihnen dieses Land egal w\u00e4re; auch dass keiner eine Meinung h\u00e4tte, kann eigentlich nicht sein. Die Politik bestimmt unser gesamtes Leben, umgibt uns jeden Tag. Doch was sie nicht vermag, ist bei den Menschen anzukommen, au\u00dfer als zu bek\u00e4mpfendes Feindbild. Politik scheint nicht mehr f\u00fcr die Menschen, sondern \u00fcber die Menschen hinweg entschieden zu werden.<\/p>\n<p>Doch in den letzten Jahren scheint sich etwas ge\u00e4ndert zu haben. Etwas, von dem viele nicht mehr so recht zu vermuten geglaubt haben, dass es noch passieren w\u00fcrde: Eine ganze Generation bisher relativ unpolitischer, junger Menschen sind aktiv geworden, um einem Teil der Gesellschaft entgegenzutreten, der sie bereits abgeschrieben hatte. Und da totgeglaubte l\u00e4nger leben offenbart die nun einsetzende Kraft ihr volles Potential: Die Jugend wird politisch!<\/p>\n<p>Womit dieser Wandel angefangen hat,wird wahrscheinlich ein Streitfall f\u00fcr Geschichtswissenschaftler werden; und womit es endet ist derzeit noch nicht abzusehen. Allein eines ist gewiss: Je l\u00e4nger diese Gruppe ignooriert und \u00fcbergangen wird, desto heftiger wird der von ihr ausgehende Gegenwind werden. Doch wer sind diese Gruppe und vor aallem: Was wollen sie?<!--more--><\/p>\n<p>Ein frischer Wind weht durch&#8217;s Land. Wieder eine Demonstration geschafft &#8211; auf zur n\u00e4chsten. Und wenn gerade einmal keine Zeit ist f\u00fcr gro\u00dfe Aktionen, so organisiert man sich im kleinen. Spielt das aus, was man am besten kann: Sich sozialisieren. Sozialisieren in seiner Umgebung, nicht nur r\u00e4umlich, sondern vor allem sozial. Man vernetzt sich online, um Informationen offline weiterzutragen. Weiterzutragen, was auf normalem Wege unterdr\u00fcckt werden w\u00fcrde. Seien es geheime Dokumente oder Verhandlungen unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit &#8211; jener \u00d6ffentlichkeit, gegen die diese Gesetze gemacht sind; denn eines ist sicher: W\u00e4ren sie f\u00fcr ein gesellschaftliches Vorankommen gestaltet, k\u00f6nnte man zum Wohle der Gesellschaft aller offen dar\u00fcber diskutieren. So aber unterhalten sich einige Wenige &#8211; Ewiggestrige &#8211; \u00fcber die Erhaltung des Status Quo, die Maximierung ihres Profits, die Unterdr\u00fcckung der Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>Genau hier st\u00f6ren Au\u00dfenstehende &#8211; Unvoreingenommene &#8211; die nicht geblendet durch den beim politischen Arschkriechen antrainierten Egoismus nur sich selbst und ihre G\u00f6nner im Blick haben, sondern stattdessen noch versuchen, ihre Ideale einer gerechteren und lebenswerteren Welt umzusetzen. Manche dieser Beobachter m\u00f6gen durchaus naiv sein, doch keinesfalls so engstirnig, dass sie nicht verstehen w\u00fcrden, was sich um sie herum abspielt. Viele haben durchaus verstanden, dass es gilt, eine \u00c4nderung herbeizuf\u00fchren, statt tatenlos mit anzusehen, wie immer die gleichen sich auf Kosten anderer bereichern. <\/p>\n<p>In eben dieser Erkenntnis gefangen stagniert das R\u00e4derwerk der Politik, die die vergangenen Jahre so ruhig und gesch\u00fctzt vor dieser \u00d6ffentlichkeit ihres Handelns agieren konnte; die jederzeit in Hinterzimmern aushandeln konnte, was der n\u00e4chste Schritt im Masterplan ist. Und die Politik w\u00e4hlte die Angst als Mittel der Leute. Angst vor dem Terror, Angst vor dem Andren, Angst vor sich Selbst. Schuf eine Spirale des Wahns und versprach tr\u00fcgerische Sicherheit. Placebosicherheit. Sie nannte es &#8222;Krieg gegen den Terror&#8220; und doch war es genau das: Terror.<\/p>\n<p>Ich habe keine Angst vor Ausl\u00e4ndern, keine Angst vor meinen Nachbarn; denn ich wei\u00df, dass es nichts zu bef\u00fcrchten gibt. Der einzige Terror geht von denen aus, die ach so leum\u00fcndig daf\u00fcr einzustehen behaupten, eben diesen zu bek\u00e4mpfen. Aber ist ja irgendwie auch logisch: Um etwas zu bek\u00e4mpfen, muss es erst einmal geschaffen sein. Wenn es nicht existiert, schafft man es sich halt.<\/p>\n<p>Unter dem <a href=\"http:\/\/www.netzpolitik.org\/2010\/nackt-aber-sicher-wie-viel-sicherheit-vertraegt-die-demokratie-2\/\">Vorwand dieser erlogenen Gefahr<\/a> sichert man sich sein eigenes Fortkommen, seinen Einfluss. Und liefert die versprochene Sicherheit in Form von Grundrechtseinschnitten und \u00dcberwachung. Tastet sich jedes Mal auf&#8217;s Neue an die Grenzen der Verfassung eben jenes Staates, dem man Treue geschworen hat! Zu dessen Verteidigung man sich verpflichtet hat Doch am Ende folgen nur immer weitere Einschr\u00e4nkungen &#8211; jedoch nie f\u00fcr einen selbst. Man liebe uns ja alle. Doch der unbedacht vermittelte Eindruck ist ein anderer.<\/p>\n<p>Man holt sich Berater &#8211; und ignoriert sie. Man l\u00e4sst das Volk betteln &#8211; und verh\u00f6hnt sie. Man verr\u00e4t sie und verarscht sie. Und am Ende hat man Bauchschmerzen von den eigenen &#8222;Entscheidungen&#8220;, die im Endeffekt nur willf\u00e4hriges Abnicken der im Geheimen diktierten Linie waren. Man simuliert Demokratie und wundert sich, dass keiner im Publikum sich so recht beteiligen mag.<\/p>\n<p>Stattdessen setzt sich das Publikum zur Wehr. Zur Wehr gegen die immer gleichen Forderungen der Politik, die Freiheit und Aufrichtigkeit des Einzelnen zu untergraben, jeden gegen jeden auszuspielen und am Ende als Unwertes Arbeitsvieh den Profit der wenigen zu erwirtschaften. Man engagiert sich im kleinen, um den Gro\u00dfen zu zeigen, was der Wille des Souver\u00e4n ist: Eine Gesellschaft der Toleranz aller, ohne unter Generalverdacht seiner Freiheit beraubt zu sein. Eben jener Freiheit, der Politik wann immer diese ihre Stellung missbraucht, einhalt zu gebieten. Eben jener Freiheit, die diese junge Generation von B\u00fcrgern aller Schichten bisher ungenutzt verstauben lassen hat.<\/p>\n<p>Nach langem Schlaf setzt nun das Erwachen ein. Der Unmut \u00fcber das Ignoriert-Werden, das Ausgespielt werden manifestiert sich. Da erste zaghafte Versuche, auf direktem Wege etwas zu \u00e4ndern verhallten, politisierte man sich. Man gr\u00fcndete Arbeitskreise, Organisationen und schlie\u00dflich Parteien. Man erhob seine Stimme gegen den unaufh\u00f6rlichen Kanon an Forderungen nach Unterdr\u00fcckung und Ausbeutung &#8211; und fing an, erste Zeichen zu setzen.<\/p>\n<p>Statt im Kleinen \u00c4nderungen zu erbetteln, gruppierte man sich und zwang durch die Masse zu Ver\u00e4nderungen. Man forderte ein, was einem Jeden rechtm\u00e4\u00dfig zustand. Klagte gegen Online-Durchsuchung, Flugsicherheitsgesetz, den gro\u00dfen Lauschangriff, Fluggastdatenspeicherung, &#8230; Um schlie\u00dflich durch schiere Masse auch die Vorratsdatenspeicherung vorl\u00e4ufig aus dem Weg zu r\u00e4umen und durch seine Erfolge best\u00e4rkt an die immer neuen &#8211; jedoch nach dem gleichen Muster gestrickten &#8211; Gesetzesvorhaben vorzugehen.<\/p>\n<p>Die Masse dieser Bewegung spielt dabei eine wesentliche Bedeutung, denn sie war es, die das \u00dcberraschungsmoment, aber auch die Handlungsnotwendigkeit gegen ein Gesetz begr\u00fcndeten. Es waren 35200 Menschen, die sich nicht \u00fcberwachen lassen wollten, 134000 Menschen, die f\u00fcr ihre Freiheit eingetreten sind &#8211; beides Erfolge, mit denen nicht einmal man selbst gerechnet hatte. Und auch wenn es wie Sysiphus-Arbeit oder den Kampf gegen Windm\u00fchlen ausschaut, so ist das Erheben der eigenen Stimme doch B\u00fcrgerrecht und sogar B\u00fcrgerpflicht in einer Demokratie, so sie denn funktionieren soll.<\/p>\n<p>Es ist weniger die Frage, was ein einzelner Protest bringt, sondern ob man bereit ist, seine Meinung und seine Vorstellung von einem besseren Staat auch gegen R\u00fcckschl\u00e4ge zu verteidigen und weiterzuk\u00e4mpfen. Daher wahr ich doch recht verwundert, als jemand in meiner Umgebung resignierend feststellte, wozu er denn unterst\u00fctzend wirken sollte, da es doch eh nix bringe. Ob er Recht hat, kann man schlecht sagen, doch ohne zu k\u00e4mpfen bereits aufzugeben, stellt ihn bereits jetzt in die Ecke der Verlierer.<\/p>\n<p>Wer k\u00e4mpft, kann verlieren.<br \/>\nWer nicht k\u00e4mpft, hat verloren.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=593&amp;md5=99a0f41b791bf6504d225e47aa6eb488\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man sich in diesem Lande umschaut, so erblickt man in Bezug auf Politik in der Regel genau eines: Verdrossenheit. Nicht, dass alle unpolitisch w\u00e4ren, oder dass ihnen dieses Land egal w\u00e4re; auch dass keiner eine Meinung h\u00e4tte, kann eigentlich nicht sein. Die Politik bestimmt unser gesamtes Leben, umgibt uns jeden Tag. Doch was sie [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[5],"tags":[95,69,94,128,158,170,67],"class_list":["post-593","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-philosophie","tag-gesellschaft","tag-internet","tag-medien","tag-meinung","tag-petition","tag-politik","tag-uberwachung"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/593","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=593"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/593\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":594,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/593\/revisions\/594"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=593"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=593"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=593"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}