{"id":557,"date":"2010-03-27T21:43:50","date_gmt":"2010-03-27T20:43:50","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=557"},"modified":"2010-03-29T22:55:48","modified_gmt":"2010-03-29T20:55:48","slug":"augmented-reality","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=557","title":{"rendered":"Augmented Reality"},"content":{"rendered":"<p>Die aktuelle technische Entwicklung scheint inzwischen einen Stand erreicht zu haben, mit dem es uns erm\u00f6glicht wird, unsere Sinne nicht nur zu erg\u00e4nzen, um bisher unsichtbares sichtbar zu machen oder die uns auferlegten Schranken zu durchdringen, sondern vielmehr diese M\u00f6glichkeiten in unserem Leben zu integrieren. Waren fr\u00fcher Ger\u00e4te wie der Fotoapparat, das Radio oder die Elektronenr\u00e4hre reine Erg\u00e4nzungen stellen sie auf heutigem Niveau in Form von Mobiltelefonen und anderen Ger\u00e4ten wertvolle Erweiterungen unserer Sinne dar.<\/p>\n<p>Und dabei ist ihre Wirkung nicht allein dadurch ausgedr\u00fcckt, dass sie unseren Sinnen zus\u00e4tzliche Informationen bereitstellen, sondern ihre Leistung liegt in der effizienten Vernetzung der Umwelt mit den Daten einer bis dato rein virtuellen Welt: Sie erf\u00fcllen die Visionen vieler Pioniere des Internets, die aus einem reinen Datennetz ein eng in unser Leben integriertes Umfeld erschaffen wollten. Diese Verbindung aus virtueller und realer Welt scheint mit der heutigen Technologie in greifbare N\u00e4he ger\u00fcckt.<!--more--><\/p>\n<p>Denn mochte man fr\u00fcher vom &#8222;Internet der Dinge&#8220; nur tr\u00e4umen, oder gar den verwegenen Traum haben, einen Computer einmal allein mit seinen Gedanken steuern zu k\u00f6nnen, so sind beides Ideen, die mit unserer heutigen Technik &#8211; zwar nicht vollst\u00e4ndig, aber zu einem guten Teil &#8211; bereits m\u00f6glich sind. Allein durch seine Gedanken Pong zu spielen war bereits vor Jahren m\u00f6glich und mit unserem aktuellen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr unser Gehirn schreiten wir immer weiter in eine Richtung, mit der wir Maschinen nicht mehr allein als Werkzeuge, sondern als Teil unseres K\u00f6rpers betrachten k\u00f6nnen; und dies nicht allein, um verlorengegangene Gliedma\u00dfen mit Hilfe von immer intelligenteren Protesen zu ersetzen. Und wenn man der aktuellen Forschung glauben mag, st\u00f6rt unseren K\u00f6rper eine solche Erg\u00e4nzung nicht einmal; ja, er ist <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tr\/artikel\/Gehirn-steuert-Computer-937587.html\">geradezu aufgeschlossen und lernbereit<\/a>. <a href=\"http:\/\/xkcd.com\/644\/\">Entsprechende Scherze<\/a> scheinen daher gar nicht soweit hergeholt.<\/p>\n<p>Aber es braucht nicht zwingend die implantierte Technik zu sein, wenn es um&#8217;s Lernen geht. In immer mehr Bereichen wird versucht, durch Assistenzsysteme eine Verbindung aus der Siliziumwelt zur\u00fcck zum Menschen zu gewinnen. Was also vielerorts als <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=yNYfkxqiB6g\">Spielerei im aktuellsten \u00dcberlebensstrategie-Spiel<\/a> verschrien ist, kann in Forschung und Lehre durchaus n\u00fctzliche Dienste leisten, wenn es darum geht, k\u00fcnftigen Generationen unser Wissen zu vermitteln oder ihnen beim Ausf\u00fchren ihrer T\u00e4tigkeit zu helfen. Daher ist der Einsatz von <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tr\/artikel\/Augenarzt-Ausbildung-mit-virtueller-Realitaet-931566.html\">Augmented Reality in der Medizin<\/a> durchaus konsequent.<\/p>\n<p>Aber auch wenn es um die Wahrnehmung unserer Umwelt geht, gewinnt Augmented Reality immer mehr an Bedeutung. So ist es nicht wirklich verwunderlich, dass Aufgaben, die vielen Menschen Probleme bereiten, durch Technologie gel\u00f6st werden. Was dabei als Seltsame <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1415054\/\">Idee in einem Anime<\/a> anf\u00e4ngt, ist durchaus bereits <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/meldung\/Handy-identifiziert-Fotografierte-ueber-Facebook-Co-939784.html\">Realit\u00e4t<\/a>: <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tr\/artikel\/Augmented-Identity-938137.html\">Personenidentifikation<\/a> ist l\u00e4ngst, auf Grund der riesigen Datenberge, die wir st\u00e4ndig im Internet und dabei insbesondere insozialen Netzen hinterlassen, keine Frage der Technik mehr, sondern vielmehr der richtigen Gliederung der Informationen.<\/p>\n<p>Waren fr\u00fcher die Gestaltung und das Design mehr oder minder auf die Welt im Rechner beschr\u00e4nkt, <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tr\/blog\/artikel\/The-future-is-fab-942575.html\">f\u00e4llt so langsam auch diese Schranke<\/a>. Unsere Technik erlaubt es in bisher ungeahnter Weise die in uns schlummernde Kreativit\u00e4t zu wecken und bietet uns zudem die Werkzeuge, um mit ihr diese von der Erstellung in einem virtuellen Raum auch <a href=\"http:\/\/www.elektrischer-reporter.de\/elr\/video\/202\/\">in die Realit\u00e4t zu transportieren<\/a>. <\/p>\n<p>Aber bis dahin wird eine gewisse Zeit eher der Weg der Realit\u00e4t hinein in die durch unsere Technik erschaffene Welt die bestimmende Richtung im Umgang mit unseren M\u00f6glichkeiten sein. Allein wir sind planlos und suchen Hilfe. Hilfe, die wir uns selber geschaffen haben. Irren wir von einem Ort zum andren, ersetzen wir immer h\u00e4ufiger die alte Karte auf Papier durch sein virtuelles Pendant und <a href=\"http:\/\/events.ccc.de\/congress\/2009\/Fahrplan\/events\/3496.en.html\">lassen uns leiten<\/a>. Denn <a href=\"http:\/\/techflash.com\/seattle\/2010\/02\/video_bing_maps_at_ted.html\">diese Karte kann mehr<\/a>: Die Zeiten, als eine Karte eine reine Projektion der Realit\u00e4t war, um sich zu orientieren sind vorbei. Es geht immer mehr um die <a href=\"http:\/\/www.techflash.com\/seattle\/2010\/02\/microsoft_bing_goes_spatial.html\">Verschmelzung der Sinne zwischen Technik und unserer Umgebung<\/a> &#8211; auch wenn zu weilen noch Schranken vorhanden sein m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Je mehr diese Schranken jedoch fallen, desto vorsichtiger sollte man im Umgang mit der Technik sein. Was oberfl\u00e4chlich aussehen mag, wie ein <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt1033796\/\">Spiel technikverliebter Kinder<\/a>, kann unter der Oberfl\u00e4che bisher ungeahnte Gefahren aufweisen. Je mehr wir unsere Realit\u00e4t mit der Technik, die uns tagt\u00e4glich umgibt verkn\u00fcpfen, desto enger werden auch unsere Bindungen an die Technik. Bereits durch die Nutzung des Internets entstehen st\u00e4ndig Fragmente unseres Selbst, die allein vielleicht unscheinbar, in ihrer Kombination aber durchaus <a href=\"http:\/\/events.ccc.de\/congress\/2009\/Fahrplan\/events\/3302.en.html\">seltsame Organismen<\/a> hervorbringen k\u00f6nnen. Im Endeffekt bleibt weniger die Frage, welcher Teil unseres Ichs der Bestimmende bleibt, bzw. <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0113568\/\">wann wir uns von unserem physischen K\u00f6rper<\/a> l\u00f6sen. Sp\u00e4testens aber, seit dem auch Computer sehen k\u00f6nnen, sei es mit Webcams oder dem <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/tr\/artikel\/Der-sehende-Bildschirm-897454.html\">angeschlossenen Monitor<\/a>, ist ein R\u00fcckkanal geschaffen, der uns selbst diesen Weg ebnet.<\/p>\n<p>So phantastisch dies alles aber auch klingt, kann es doch \u00fcber eines nicht hinwegt\u00e4uschen: Die Entscheidung im Umgang mit dieser Technik m\u00fcssen im Endeffekt wir treffen. Diese Entscheidung muss bewusst und sorgf\u00e4ltig getroffen sein, da wir ansonsten den <a href=\"http:\/\/www.imdb.com\/title\/tt0328832\/\">Totalverlust unserer Autonomie als lebende Wesen an die von uns erschaffene Technik<\/a> verlieren: Das Leben mit der Technik stellt in vielen Bereichen einen wichtigen Fortschritt in unserer Entwicklung dar, sollte sich dieser jedoch zu einem Leben f\u00fcr die Technik verkehren, stellt dies einen gewaltigen R\u00fcckschritt dar, der mit einem Schlag unsere Errungenschaften ausl\u00f6schen kann.<\/p>\n<p>Solange wir uns daher \u00fcber die Frage der Kontrolle nicht einig sind, sollten wir Vorsicht walten lassen; denn es geht weniger darum, ob wir den Fortschritt wollen, sondern in welcher Form wir uns darauf einlassen wollen: M\u00f6chten wir diese Technik als Unterst\u00fctzung f\u00fcr unsere Imperfektion, oder m\u00f6chten wir zu dieser Technik werden &#8211; als lebende Geister in kalte Elektronik gegossen.<\/p>\n<p>Eines d\u00fcrfte sich aber bereits jetzt abzeichnen: egal, wie wir es drehen oder wenden: Solange wir die Technik dazu nutzen, um immer gr\u00f6\u00dfere Informationsberge in immer k\u00fcrzerer Zeit zu bew\u00e4ltigen, werden wir unweigerlich ab einen gewissen Punkt an unsere Leistungsgrenzen sto\u00dfen. Nicht allein, dass wir immer st\u00e4rker unser Leben beschleunigen, im Endeffekt arbeiten wir &#8211; bewusst oder unbewusst &#8211; auf die Grenzen unserer Leistungsf\u00e4higkeit zu. Jedes System &#8211; sei es biologischer oder technischer Natur &#8211; besitzt diese Grenzen; und unsere Grenzen liegen vor uns ausgebreitet &#8211; er\u00f6ffnet durch unseren Forschungsdrang, sie doch irgendwo zu \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p>Je mehr Informationen wir uns versuchen anzueignen, desto weniger davon werden wir effektiv verarbeiten: Der Mensch ist <a href=\"http:\/\/www.br-online.de\/br-alpha\/geist-und-gehirn\/geist-und-gehirn-video-folge-156-multitasking-ID1266488794113.xml\">nicht f\u00fcr Multitasking geeignet<\/a>, aber dennoch versuchen wir mit vielen heutigen Ans\u00e4tzen genau das. Wir schaffen uns eine <a href=\"http:\/\/sixtus.cc\/augmented-hyperreality-41\">Informationsflut<\/a>, weil wir gerade eine solche bek\u00e4mpfen wollten. Solange wir hier nicht gegensteuern und <a href=\"http:\/\/chaosradio.ccc.de\/cre131.html\">sinnvolle Schnittstellen schaffen<\/a>, werden wir auch weiterhin nur begrenzt Nutzen aus dieser doch extrem spannenden Entwicklung ziehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und so bleiben wir doch am Ende wieder <a href=\"http:\/\/www.elektrischer-reporter.de\/elr\/video\/208\/\">zur\u00fcckgeworfen auf unsere Visionen<\/a>.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=557&amp;md5=b0c32fcb24c20ca55f44883e91de1cc5\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die aktuelle technische Entwicklung scheint inzwischen einen Stand erreicht zu haben, mit dem es uns erm\u00f6glicht wird, unsere Sinne nicht nur zu erg\u00e4nzen, um bisher unsichtbares sichtbar zu machen oder die uns auferlegten Schranken zu durchdringen, sondern vielmehr diese M\u00f6glichkeiten in unserem Leben zu integrieren. 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