{"id":547,"date":"2010-02-19T03:27:02","date_gmt":"2010-02-19T02:27:02","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=547"},"modified":"2010-02-19T03:27:02","modified_gmt":"2010-02-19T02:27:02","slug":"studienfuhrer-woran-es-krankt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=547","title":{"rendered":"Studienf\u00fchrer: Woran es krankt"},"content":{"rendered":"<p>Nein, dieser Beitrag wird nicht, wie es klingen mag ein Rant \u00fcber einen Studiengang an einer Hochschule oder gar das deutsche Bildungssystem, denn wenn man als Student einer deutschen Hochschule etwas lernt, ist es, dass man auf den Gegen\u00fcber nicht eindrischt, wenn der bereits am Boden liegt. Nun mag es vielleicht seltsam erscheinen, aber gerade Aktionen wie &#8222;Uni brennt&#8220;, die sich schnell auch grenz\u00fcbergreifend ausgebreitet haben, zeigen, dass dringender Bedarf f\u00fcr \u00c4nderungen am derzeitigen System besteht. Es sind keine vermurksten Reformen wie Bolognia von N\u00f6ten, in deren Zuge das Bachelor\/Master-System  aufoktroyiert wurde, sondern es muss ein genrelles Umdenken geschehen, um Deutschland wieder zu dem zu machen, f\u00fcr was es mal Stand: Einen Hort der Gebildeten, ein Land der Dichter und Denker.<!--more--><\/p>\n<p>Doch wo soll man anfangen, ohne mit jedem gut platzierten Wort eine Fassade einzurei\u00dfen, und mit einem Treffer gleich das gesamte Kartenhaus in sich zusammenfallen zu sehen.  Es mag vielleicht seltsam klingen, doch das Besinnen auf das Alte kann durchaus n\u00fctzlich sein. Denn was es braucht, ist nicht blinde Destruktivit\u00e4t, sondern konstruktive Baupl\u00e4ne, die das marode Kartenhaus renovieren und auf ein solides Fundament stellen. Wenn bei dieser Renovierung aus dem schn\u00f6den Kartenhaus dabei ein Palast entsteht: Umso besser!<\/p>\n<p>Wohin soll die Reise gehen? Was ist es, was f\u00fcr eine starke Wissenschaft von N\u00f6ten ist? Denn reiner Aktionismus ist in dieser Lage das Schlimmste, was man tun kann; un\u00fcberlegt die vorhandene Chancen vergeben, ohne diese auch nur zu erw\u00e4gen. Denn an Kritik und Ideen fehlt es ganz im Gegenteil nicht.<\/p>\n<p>Geht man klassisch als unvoreingenommener Abiturient in ein Studium, so geschieht dieser Schritt h\u00e4ufig unter der Pr\u00e4misse der Bildung oder der Verbesserung der eigenen Chancen. Nun sind die genannten Ziele jedoch diametral zueinander aufgestellt, da in der Regel nicht das sture Auswendiglernen von Fakten, sondern das gekonnte Anwenden von Zusammenh\u00e4ngen ein Zeichen der Reife darstellt und somit ein Zeichen f\u00fcr Bildung darstellt. Wer jedoch auf egoistischen Bahnen sein Studium beschreitet, neigt jedoch oft gerade zum Ersteren: Es wird geschluckt, was geboten wird, ohne zu hinterfragen, ohne die Zusammenh\u00e4nge kennen zu wollen. Der Erringen von Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Welt wird vom Ziel degradiert zum puren Mittel zum Pflastern des eigenen Weges. Wissen ist nicht l\u00e4nger das Gut, dessen erlangen den eigenen &#8211; und sei es rein eigenen &#8211; Erfolg kennzeichnet.<\/p>\n<p>Der Student degeneriert zum reinen Beh\u00e4ltnis, in das man, den passenden Trichter vorausgesetzt, Belanglosigkeiten, die als Wissen verkauft werden, hineinstopfen kann. Und die Saugwirkung dieses Schwammes nennt man dann Bildung und Quantifiziert sie durch Noten, die nichts \u00fcber die Qualit\u00e4t des Verst\u00e4ndnisses, die Quantit\u00e4t der erkannten Zusammenh\u00e4nge, noch den Charakter aussagen. Ein Student ist keine Maschine, die zu funktionieren hat, auf Knopfdruck Gelerntes reproduziert.<\/p>\n<p>Sondern Studenten sind Menschen, sind soziale Wesen, die nicht als Maschine im Dienste der Wirtschaft abgestellt werden, um als Ersatzteillager zu dienen. Man erzeugt Reibung durch Enge; quetscht das letzte Bisschen Leistung heraus, bis man am Ende vollgesogene Schw\u00e4mme vor sich liegen hat, die willf\u00e4hrig nach der Pfeife ihrer Vorgesetzten tanzen. Nicht ein gesundes Miteinander auf gleicher Augenh\u00f6he ist gefragt, sondern das Erzwingen der alten Hierarchien. Ist das fr\u00f6hliche Gegeneinander perfekt, ist man auf dem besten Wege, die Ellbogen-Mentalit\u00e4t festzusetzen und damit den sozialen Aspekt zu beerdigen. <\/p>\n<p>Auch Kreativit\u00e4t ist st\u00f6rend, denn sie ist die Schwester der Neugier: W\u00e4hrend die gesunde Neugier die Triebfeder f\u00fcr die Forschung ist, ist die Kreativit\u00e4t deren praktische Ausf\u00fchrung: der Grundstein f\u00fcr Innovation. Doch das scheint gar nicht gew\u00fcnscht? Denn sowohl die Neugierde wie auch die Kreativit\u00e4t brauchen Zeit; Zeit, die man den Studenten nicht l\u00e4sst, nicht lassen will. Denn kreative Prozesse sind zu gro\u00dfen Teilen unproduktive Zeit &#8211; ein Gut, was man scheinbar nicht investieren m\u00f6chte. <\/p>\n<p>Und so wird jede Sekunde des Studiums verplant. Nicht allein das Eintrichtern des Wissens erfolgt nach Plan, auch das Sackenlassen, um Platz zu schaffen erfolgt rein methodisch! F\u00fcr jede Stunde Trichter gibt&#8217;s zwei Stunden zum Festigen. Freizeit? Ist nicht. Nebenjob? Das Problem des wandelnden Datenspeichers.<\/p>\n<p>Aber halt! Denn diese Darstellung ist nur die halbe Geschichte, die, w\u00fcrde der Bildungsplatz existieren, zwar schlimm, jedoch nicht un\u00fcberwindbar w\u00e4re. Limitiert man jedoch das Angebot, fordert aber \u00fcber dieses hinaus den zu erreichenden F\u00fcllstand, so ist dies verlogen: In Sagen mag ein Fisch zum Speisen einer Gesellschaft vielleicht reichen, in der Realit\u00e4t wurde dieses Kunstst\u00fcck jedoch noch nicht vollzogen. Und so kann man nicht erwarten, dass jeder zum Bef\u00fcllen mit Wissen erscheint, wenn f\u00fcr ihn kein Platz vorgesehen ist. Anstatt nun aber etwas gegen die erkannte Problematik zu tun, doktort man an Symptomen, verschreibt Placebos und erehbt Abgaben auf das verknappte &#8222;Wissen&#8220;: Kurzum man deklariert gesellschaftliches Gut zu Privateigentum und hofft auf zahlreiche Nachfrage.<\/p>\n<p>Bleibt diese jedoch aus, oder wird man gar f\u00fcr dieses Vorgehen kritisiert, weicht man aus oder ignoriert den St\u00f6renfried: Nichts ist schlimmer, als wenn sich die eigenen Konsumenten organisieren. Man m\u00f6chte schlicht nicht, dass die Konsumenten \u00fcber die Art der ihnen angebotenen Dienstleistung mitbestimmen. M\u00fcndige Gegenspieler sind nicht gefragt, da das festgefahrene Modell nicht durch \u00c4nderung, sondern Stagnation lebendig gehalten wird. Und so entmachtet man seine Konsumenten, um immer weiter mit wenig Aufwand zu melken, Kreativit\u00e4t zu zerst\u00f6ren und mit veralteten Mitteln die \u00c4nderung doch noch ein wenig hinauszuz\u00f6gern.<\/p>\n<p>Was man hierbei s\u00e4ht, erntet man auch: Mittelklassige Nachschlagewerke, die nicht denken, sondern auf Zuruf vorgefertigte L\u00f6sungswege ausf\u00fchren. Und man freut sich, w\u00e4hrend man seelenruhig auf den Abgrund zurennt!<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=547&amp;md5=6fa9b4bb093cc5aad4eace02da0e1aa6\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nein, dieser Beitrag wird nicht, wie es klingen mag ein Rant \u00fcber einen Studiengang an einer Hochschule oder gar das deutsche Bildungssystem, denn wenn man als Student einer deutschen Hochschule etwas lernt, ist es, dass man auf den Gegen\u00fcber nicht eindrischt, wenn der bereits am Boden liegt. 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