{"id":468,"date":"2010-01-18T02:14:34","date_gmt":"2010-01-18T01:14:34","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=468"},"modified":"2010-01-18T02:14:34","modified_gmt":"2010-01-18T01:14:34","slug":"avatar-aufbruch-in-die-verdummung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=468","title":{"rendered":"Avatar: Aufbruch in die Verdummung"},"content":{"rendered":"<p>Ein doch bereits l\u00e4nger erwarteter Film ist f\u00fcr mich die Tage, nach seinem Erscheinen im Kino, zum Reinfall geworden. Denn trotz der eigentlich guten Story wurde nach typisch amerikanischem Vorbild, nur geballert, statt einmal tiefer zu sch\u00fcrfen. Sicherlich ist Kino zum Abschalten da, aber auch &#8211; oder sollte man sagen: gerade &#8211; Filme wie Matrix 1 haben trotz der enthaltenen Action wesentlich mehr Substanz angeboten. Der Besuch war also entt\u00e4uschend, denn ein Film bei dem der Hauptinhalt in der Rechtfertigung unethischen Handelns wider besseren Wissens besteht, kann daf\u00fcr nicht gelobt werden. Zumal der Film selber genau dieses Verhalten an ausgew\u00e4hlten Stellen brandmarkt. Die Betonung aber dennoch darauf liegt, Gefallen am Krieg, bzw. dem Schaden anderer, zu verkaufen.<!--more--><\/p>\n<p>Aber fangen wir von vorn an, denn das Setting des Filmes beweist zumindest auf der Seite der Macher keine vollst\u00e4ndige Sachunkenntnis. Als Grundlage diente die griechische Mythologie, was schon allein am Spielort, dem Planeten &#8222;Pandorra&#8220; sch\u00f6n anzusehen ist. Aber da h\u00f6rt es IMHO auch schon auf. Denn vergleichen wir einmal die Geschichte rund um die B\u00fcchse der Pandorra mit der gezeigten Story des Filmes, so sollte jedem ein gravierender Unterschied auffallen: In der griechischen Mythologie hatten die Menschen n\u00e4mlich keine Wahl, als die B\u00fcchse ge\u00f6ffnet wurde; im Film werden aber gar die Menschen als diejenigen dargestellt, die Urs\u00e4chlich f\u00fcr deren \u00d6ffnung sind.<\/p>\n<p>Aber gut. Lassen wir das Rumhacken auf der Basis des Filmes und witmen uns der eigentlichen Handlung. Diese ist, wie es von einem amerikansichen &#8222;Action&#8220;-Film zu erwarten ist, sehr auf Geballer und den Starken markieren ausgelegt ist. Dann noch ein wenig Schleichwerbung f\u00fcr die Army garniert mit etwas gekr\u00e4nktem Nationalstolz und der Action-Streifen ist fertig. Nunja. Es fehlt noch Handlung, selbst wenn diese in diesem Genre eher der Garnitur dient. Genauso wie die obligatorische Schnulz-Szene, auf die ich aber voraussichtlich sp\u00e4ter noch eingehen werde.<\/p>\n<p>Aber gut. Schauen wir uns die Handlung einmal etwas genauer an. Viele beklagen, dass der Film starke \u00c4hnlichkeit mit Pocahontas oder &#8222;Der mit dem Wolf tanzt&#8220; hat, was bei n\u00e4herer Betrachtung auch nicht weiter abw\u00e4gig ist. Viel verbl\u00fcffender (und eigentlich sogar treffender) fand ich den Vergleich mit <a href=\"https:\/\/twitter.com\/sixtus\/status\/7729226143\">Mononoke Hime<\/a>. Nun kann man durchaus diskutieren, wieviel da von wem geklaut wurde, aber im Endeffekt ist das eigentlich uninteressant, weil die Botschaft und die dadurch aufgeworfenen Fragen wesentlich wichtiger sind.<\/p>\n<p>Eine der wesentlichen Fragen, die der Film f\u00fcr mich aufgeworfen hat, ist der immer wieder beobachtbare Fall, dass sich eine Gruppe von Menschen f\u00fcr etwas besseres h\u00e4lt, und daher beschlie\u00dft, eine andere Kultur, zu unterwerfen. Warum wird dieses Anderssein als geringwertiger angesehen, bzw. was bietet die Ursache f\u00fcr diese Herabwertung des Andersseins? Bzw.: Wir sehen uns als Vernunftbegabt und zivilisiert: Aber warum ist das in dieser Situation aufgezeigte Verhalten weder vern\u00fcnftig, noch hat es irgendwas mit Zivilisiertheit zu tun? Allein wenn sich die Filmemacher diesem ersten B\u00fcndel von Fragen im Film angenommen h\u00e4tten &#8211; sich an die eigene Nase gegriffen h\u00e4tten -, w\u00e4re er etwas besonderes geworden: Quasi ein Einstieg in eine Diskussion \u00fcber unsere Gesellschaft und wie sie mit Anderen bzw. dem Anderen umgeht. Aber so pl\u00e4tschert dieser Film mehr oder weniger in gewohnter Hollywood-Manier lediglich vor sich hin; bringt weder Neues, noch wirft er Kontroversen auf.<\/p>\n<p>H\u00e4tte man diesen essentiellen Punkt der Selbstkritik im Film auch nur einmal ansatzweise anvisiert &#8211; oder gar erreicht -, w\u00e4re es ein Leichtes gewesen, auch ein zweites B\u00fcndel essentieller Fragen in Angriff zu nehmen: Wie wollen wir mit Anderen und vor allem mit Unbekanntem umgehen? Verfolgt man die Storyline des Filmes, findet man eine magere, ja geradezu erb\u00e4rmliche Antwort auf diese Frage: Wir wollen es zerst\u00f6ren. Schaut man sich das Warum dieser Antwort an, so offenbart es den reinsten Egoismus, wenn nicht gar den Willen zur Selbstzerst\u00f6rung, den Manche an den Tag legen. Ist Selbstschutz in gewissen Ma\u00dfe durchaus zutr\u00e4glich (Vorsicht im Umgang mit fremdem), so ist er in \u00fcbertriebenem Ma\u00dfe geradezu sch\u00e4dlich, wenn nicht sogar assozial: Warum sollte ich etwas oder jemandem wehtun oder Schaden zuf\u00fcgen, der mir nichts getan hat?<\/p>\n<p>Und genau hier setzt auch der Film an mehreren Stellen zu hinterfragen an, bel\u00e4sst es aber dann bei formalen Andeutungen, z.B. wenn Jake von Neytiri im Wald gerettet wird. Trotz dem Neytiri an dieser Stelle zwar vorsichtig ist, und getrieben durch schlechte Erfahrungen Jake nicht ins Dorf mitnehmen m\u00f6chte, entschlie\u00dft sie sich im Endeffekt anders &#8211; und gibt Jake damit eine Chance, seine Absichten zu zeigen.<\/p>\n<p>Insgesamt stellt hierbei die Lebensweise der Omaticaya insgesamt dem Leben der Neuank\u00f6mmlinge auf Pandora einen Spiegel auf, der von diesen &#8211; wenn \u00fcberhaupt &#8211; nur unbewusst wahrgenommen wird. Auch hier w\u00e4re etwas mehr Tiefe durchaus m\u00f6glich gewesen, was zu Gunsten der zerst\u00f6rerischen Aktivit\u00e4ten eine durchaus lohnenswerte Bereicherung der Handlung gewesen w\u00e4re. (Meinung des Autors: Echt mal, warum muss man sich diesen erb\u00e4rmlichen Parker antun und warum besitzt keiner den Mut, dieses uns\u00e4gliche Arschloch einfach mal mit ner 4-Kn\u00f6chel-Gesichtsmassage wegzurationalisieren?)<\/p>\n<p>Okay, wo waren wir? Auch sonst fehlt es dem Film einfach an Konsequenz: W\u00e4hrend des Leben der Omaticaya durchweg in seinen manigfaltigen Aspekten hervorgehoben und im Wesentlichen anerkannt und gelobt wird, fehlt eine eindeutige Stellungnahme f\u00fcr das Verhalten der Ank\u00f6mmlinge. Der Film distanziert sich zwar an vielen Stellen von deren Verhalten, verpasst aber die Gelegenheit, eindeutig herauszuheben, warum eine solche, im Wesentlichen abwertende Einstellung zu Andersartigem nicht nur unangebracht, sondern falsch ist.<\/p>\n<p>Statt alsodie Chance zu nutzen, fortschrittlich zu sein, ist dieser Film nahezu vollst\u00e4ndig durchschnittlich &#8211; einzig in seiner Verschwendung von Geld, was an anderen Stellen wesentlich besser aufgehoben w\u00e4re &#8211; z.B. bei den anderen sozialen Gruppen &#8211; g\u00f6nnt sich der Film und seine Macher einen Lobgesang auf den Kapitalismus, anstatt das durch Jake im Film vorgelebte Verst\u00e4ndnis f\u00fcr seine Umwelt vorzuleben.<\/p>\n<p>Wenn der Film vorf\u00fchrt was aktueller Konsenz in der Gesellschaft ist &#8211; und in der Regel sind Filme ein Spiegel ihrer Zeit -, so ist es doch ziemlich schade mit anzusehen, dass der Mensch, der sich selbst als vernunftbegabtes Wesen bezeichnet, so wenig verstanden hat &#8230;<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=468&amp;md5=b3d0241b5f9f1c23e3713069ce7752cb\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein doch bereits l\u00e4nger erwarteter Film ist f\u00fcr mich die Tage, nach seinem Erscheinen im Kino, zum Reinfall geworden. 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