{"id":440,"date":"2010-02-11T03:46:18","date_gmt":"2010-02-11T02:46:18","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=440"},"modified":"2010-02-11T03:46:18","modified_gmt":"2010-02-11T02:46:18","slug":"sind-wir-eine-herde","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=440","title":{"rendered":"Sind wir eine Herde?"},"content":{"rendered":"<p>Wie es so oft passiert, wenn man im Smalltalk mit anderen interessierten ist, schwimmen an einem immer wieder interessante Links vorbei. So geschah es auch in Bezug auf dieses Video. Aus irgendeinem Grund, kam die Diskussion auf das ein Video von <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/user\/pogobat\">Dan Brown<\/a>, in dem er unter dem Titel <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=QRzpQrZo-TE\">We&#8217;re a TRIBE!<\/a> Bezug auf einen <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=xTkKSJSqU-I\">TED-Talk von David Logan<\/a> nimmt. Thema dieses Talks war das &#8222;Herdenverhalten&#8220; innerhalb von gesellschaftlichen Gruppen, und wie dieses die Entwicklung der Gruppe aber auch des Einzelnen beeinflusst.<!--more--><\/p>\n<p>Die Grundidee dabei ist, das innerhalb der Gesellschaft zahlreiche, individuelle Gruppen von 20 bis 150 Personen existieren, deren Mitglieder eine Reihe von Eigenschaften gemeinsam haben und anhand derer sich die Gruppenidentit\u00e4t definiert. Das Entstehen dieser Gruppen ist dabei vollkommen nat\u00fcrlich und unabh\u00e4ngig von der konkreten Wahrnehmung.<\/p>\n<p>Dabei unterscheided Logan bei Herden 5 grundlegende Arten, die sich allesamt \u00fcber ihre Kultur &#8211; konkret Umgangsformen innerhalb der Gruppe bzw. in Beziehungen zu anderen Herden &#8211; unterscheiden:<\/p>\n<ol>\n<li><strong>Life sucks!<\/strong><br \/>\nHerden dieses Typs versuchen systematisch Beziehungen in anderen, funktionierenden Herden zu zerst\u00f6ren. Der innere Zusammenhalt wird dabei dadurch erreicht, dass sich Mitglieder zusammenschlie\u00dfen, die gleich denken.<\/li>\n<li><strong>My life sucks!<\/strong><br \/>\nHerden in dieser Stufe sch\u00e4tzen ihr eigenes Leben negativ besetzt ein und w\u00fcnschen sich eine Verbesserung, ohne etwas daf\u00fcr zu tun bzw. tun zu wollen. Diese Einstellung f\u00fchrt auf lange Sicht zur Verdummung und behindert damit die Innovationsf\u00e4higkeit ihrer Mitglieder<\/li>\n<li><strong>I&#8217;m great!<\/strong><br \/>\nDieser Art der Gesellschaftskultur ist mit ~40% der Bev\u00f6lkerung der am h\u00e4ufigsten anzutreffendste der 5 Kathegorien. Innerhalb dieser Gruppen definieren sich die Mitglieder durch st\u00e4ndige Rivalit\u00e4ten &#8211; in dem also gegeneinander gearbeitet wird.<\/li>\n<li><strong>We are great!<\/strong><br \/>\nGruppen auf dieser Stufe finden sich basierend auf Gemeinsamkeiten zusammen und sch\u00e4tzen dabei gemeinsame Eigenschaften der Gruppe. Dieser Zusammenhalt erlaubt es der Gruppe, sich als Gruppe wahrzunehmen und somit \u00fcber das Individuum als Bestandteil hinauszuwachsen.<\/li>\n<li><strong>Live is great!<\/strong><br \/>\nGruppen auf dieser Ebene l\u00f6sen sich vollst\u00e4ndig vom Individuum ab und werden vollst\u00e4ndig durch die Werte der Gruppe in ihrer Handlunsweise gelenkt. Auf dieser Ebene k\u00f6nnen bedeutende, gesellschaftliche Ver\u00e4nderungen erreicht werden.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Soweit, so gut. Klingt auch in sich schl\u00fcssig, doch eine Sache die hierbei vielfach \u00fcbersehen wird, ist, dass obwohl die f\u00fcnfte Stufe vielleicht die erstrebenswerteste ist, man dennoch nicht ausschlie\u00dflich auf dieser leben kann; selbst wenn man dies gern m\u00f6chte. Vielmehr ist die f\u00fcnfte Stufe eher eine Seltenheit; selbst, wenn man diese an vielen Stellen anders vermuten w\u00fcrde. Denn die Unabh\u00e4ngigkeitserkl\u00e4rung m\u00fcsste, w\u00e4re sie auf dieser Stufe geschrieben, vollkommen anders aussehen. Genauso w\u00e4re auch Martin Luther King&#8217;s Rede wahrscheinlich auf dieser Stufe ein wenig anders ausgefallen.<\/p>\n<p>W\u00fcrde man, ausschlie\u00dflich auf der obersten Stufe agieren, w\u00fcrden unweigerlich eine wesentliche Anzahl sozialer Verbindungen zwischen den eigenen Gruppen zusammenbrechen, da man f\u00fcr die meisten anderen Gruppen unverst\u00e4ndlich wird: Kommunikation zwischen sozialen Gruppen kann effektiv nur zwischen benachbarten Ebenen erfolgen: Andere Stufen bleiben f\u00fcr den Empf\u00e4nger unverst\u00e4ndlich und f\u00fchren damit zu einer Abgrenzung. M\u00f6chte man also auf die oberste Stufe aufsteigen, ohne andere mitzunehmen, kommt man effektiv nicht \u00fcber die dritte Stufe hinaus: I am great!<\/p>\n<p>Bliebe zu fragen, wie man dann dazu kommt, dass man diese Stufe erreicht, wenn schon nicht durch Zwang? Wahrscheinlich anders als man denken k\u00f6nnte, wahrscheinlich aber, wenn man eine Gemeinschaft bildet, die versucht, alle zu erreichen, ihre Hilfe anzubieten. Und wenn man etwas vom Internet lernen kann, dann ist es, dass diese Vernetzung, die man durch eine Gemeinschaft gewinnen kann, mehr erreichen wird, als man es durch Egoismus schaffen wird.<\/p>\n<p>Ein hierf\u00fcr recht interessantes Beispiel stellt vielleicht die Netzzensur-Debatte dar. Nach dem zuerst z\u00f6gerlich sich kleine Gruppen, oftmals aber auch nur Individuen kontr\u00e4r zu Wort meldeten, da sie die Pl\u00e4ne st\u00f6rten, schuf die Vernetzung dieser Individuen eine gar eigenwillige Lebensform, die durch die Werte der Beteiligten gen\u00e4hrt wurde und damit an Dynamik gewann. Diese Bewegung baute dabei auf die Leistungen des Einzelnen, ohne jedoch aus Individuen zu bestehen. Vielmehr wurde diese Gemeinschaft durch jedes ihrer Mitglieder gleichberechtigt vertreten. Der Einzelne war auch gar nicht wichtig, da die Gruppe und deren St\u00e4rke im Streit f\u00fcr die gemeinsamen Werte den ausschlaggebenden Punkt darstellte.<\/p>\n<p>Die Errungenschaften dieser Herde m\u00f6gen vielleicht die Welt nicht ver\u00e4ndert haben, doch haben sie sie bewegt und klar aufgezeigt, dass man durch Kombinieren der eigenen Kr\u00e4fte aus dem eigenen Trott heraus kommen kann um mehr zu sein, als nur ein Individum, was \u00fcber das Leben flucht, das eigene Leben verdammt und sich dabei toll f\u00fchlt. Durch das Bilden einer Gruppe, die gemeinsame Werte sch\u00e4tzt, und dabei \u00fcber sich hinaus geht, \u00e4ndert man etwas.<\/p>\n<p>Was sollte also der n\u00e4chste Schritt sein? Vielleicht aufh\u00f6ren, sein eigenes Leben zu bemitleiden &#8211; aber vor allem, allein in seinem stillen K\u00e4mmerchen zu hocken, und dar\u00fcber zu philosophieren, wie sch\u00f6n das Leben sein k\u00f6nnte. Warum nicht einfach hinaus gehen in die Welt, und sie \u00e4ndern: jeden Tag auf&#8217;s Neue, solange, bis sie allen gef\u00e4llt!<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=440&amp;md5=6a23eecd7966c320b2e0f1caaba76c04\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie es so oft passiert, wenn man im Smalltalk mit anderen interessierten ist, schwimmen an einem immer wieder interessante Links vorbei. So geschah es auch in Bezug auf dieses Video. Aus irgendeinem Grund, kam die Diskussion auf das ein Video von Dan Brown, in dem er unter dem Titel We&#8217;re a TRIBE! 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