{"id":29,"date":"2008-11-28T20:56:58","date_gmt":"2008-11-28T20:56:58","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=29"},"modified":"2008-11-29T14:33:16","modified_gmt":"2008-11-29T14:33:16","slug":"medienfreiheit-und-ich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=29","title":{"rendered":"Medienfreiheit und ich"},"content":{"rendered":"<p>In diesem kleinen Artikel &#8211; der glaub ich doch l\u00e4nger wird &#8211; m\u00f6chte ich ein paar provokante Hinweise an all diejenigen Geben, die sich schon immer einmal selbst gewundert haben, ob man denn sowas wie Presse- und Meinungsfreiheit \u00fcberhaupt brauch. Wer behauptet, dass die freie Meinung die Waffe der Terroristen ist, dem geb ich vollkommen Recht, aber dazu gleich mehr.<!--more--><\/p>\n<p>Zuerst aber einmal kurz zur Vorgeschichte. Als Aufmerksamer Leser <a href=\"http:\/\/blog.fefe.de\/?ts=b7ce81a9\">diverser Blogs<\/a> wurde ich auf <a href=\"http:\/\/www.theregister.co.uk\/2008\/09\/26\/italian_law_kills_blog\/\">ein Urteil eines sizilianischen Gerichts<\/a> aufmerksam, in dem auf ein 60 Jahre altes Gesetz verwiesen wird, dass Zeitungen anzumelden sind UND Blogs nach dieser Regel als Zeitung gelten, da sie \u00dcberschriften enthalten. Gute Gesetze sind halt technikunabh\u00e4ngig und \u00fcberstehen damit die Zeiten!1!!<\/p>\n<p>Das ist aber nicht der einzige Kontext, in dem ich auf dieses Thema komme. Vor kurzem erst, hat ein Bekannter in seinem Blog das Thema <a href=\"http:\/\/www.martoks-place.de\/2008\/11\/quote-oder-zensur\/\">Quote oder Zensur<\/a> angeschnitten, bei dem er eine Beobachtung niedergeschrieben hat, die sich auch mir schon l\u00e4ngere Zeit aufdr\u00e4ngte: Filtern Zeitungen die News wegen der Quote, oder filtern sie, um eine verborgene Zensur zu beachten?<\/p>\n<h2>Aufgabe der Medien<\/h2>\n<p>Aber gut, gehen wir Schritt f\u00fcr Schritt an das Thema heran und kl\u00e4ren einmal, was die Rolle der Medien in einem Staat &#8211; unabh\u00e4ngig von dessen Form &#8211; sein sollte. Meines Erachtens nach gibt es da folgende Schwerpunkte:<\/p>\n<ul>\n<li>Berichterstattung<\/li>\n<li>Wissensvermittlung<\/li>\n<li>Unterhaltung<\/li>\n<li>Kommunikation<\/li>\n<\/ul>\n<p>Der erste Punkte sollte eine ausgewogene, neutrale und vor allem wertfreie Darstellung des aktuellen Weltgeschehens umfassen. Ausgewogen sollte hierbei hei\u00dfen, dass jedes Themengebiet gleichm\u00e4\u00dfig und vollst\u00e4ndig abgedeckt ist. Dies hei\u00dft u.a. dass es keine Hemmschwellen f\u00fcr bestimmte Themen &#8211; oder im schlimmsten Falle sogar Tabus &#8211; geben sollte.Neutralit\u00e4t in der Berichterstattung dient der M\u00f6glichkeit des Lesers, sich selber eine Meinung zu einem Thema zu fassen, diese weiterzureifen, oder verwerfen zu k\u00f6nnen. Dies kann in keinem Fall durch einzelne Quellen geschehen, sondern bedarf zahlreicher, unabh\u00e4ngiger Quellen, die auch durchaus einmal Gegendarstellungen zu fremden Quellen, sowie Referenzen zu ihren eigenen Aussagen bringen. Eine Folge einer neutralen Darstellung sollte zudem die Wertfreiheit der Darstellung sein. Es geht nicht darum, mit einer Berichterstattung zu zeigen, jemand ist &#8222;gut&#8220; oder &#8222;b\u00f6se&#8220;, weil er etwas getan oder gesagt hat, sondern darum, den Sachverhalt darzustellen. Gute Nachrichten kommen ohne Wertung des Ereignisses aus, da allein durch die Erfahrung des Empf\u00e4ngers dieser sich eine eigene Meinung bilden kann &#8211; Nachrichten sollten hierbei besten Falls helfen, genau dieses Urteil zu finden.<\/p>\n<p>Womit ich zur zweiten Aufgabe eines Massenmediums komme: Der Wissensvermittlung. Auch dieser Punkt bedeutet keineswegs, dass im Fernsehen t\u00e4glich 24 Stunden Bildungssendungen laufen sollen oder Tageszeitungen Seitenlang wissenschaftliche Dissertationen abdrucken; das w\u00e4re im Grunde sogar kontraproduktiv, da in diesem Falle keine der anderen Aufgaben mehr wahrgenommen werden k\u00f6nnten. Vielmehr muss bei der Wissensvermittlung der Fokus darauf liegen, Hintergrundinformationen zu aktuellem Geschehen, der Technik und dem t\u00e4glichen Leben zu vermitteln. Und auch hier sollten die f\u00fcr die Berichterstattung geltenden Maximen von Ausgewogenheit, Neutralit\u00e4t und Wertefreiheit beachtet werden. Hinzu kommt aber speziell bei Wissen noch die Offenheit, d.h. die freie Verf\u00fcgbarkeit f\u00fcr jedermann. Diese Offenheit f\u00fcr jedermann ist in einer Informationsgesellschaft zwingende Voraussetzung zur Wahrung der Chancengleichheit, da ohne sie Wissen als Machthebel gegen andere eingesetzt werden kann.<\/p>\n<p>Aber neben diesem informellen Charakter sollte ein Medium auch unterhalten, da ohne dies ein Medium auf Grund des sozialen Wesen eines Menschens dieser sonst sein Interesse an diesem verliert. Unterhaltung kann hierbei in vielerlei Gestalt geschehen: Seien es Spiele, Filme, H\u00f6rspiele oder Diskussionen. Wichtig ist in allen F\u00e4llen, von allem etwas anzubieten, ohne dabei Schlagseite in eine der verschiedenen Formen der Unterhaltung zu bekommen. Auch sollte jegliche Unterhaltung f\u00fcr den Empf\u00e4nger gedacht, nicht gegen ihn gerichtet sein. Dies gilt insbesondere dann, wenn im Umfeld der Unterhaltung auch der Bereich Kommunikation und Interaktion abgedeckt werden soll.<\/p>\n<p>Zusammengefasst erwarte ich somit von einem Medium, mir ein umfassendes Bild zu einem Thema vermitteln zu k\u00f6nnen, mit dem ich meine Meinung generieren und ggf. anpassen kann. Zudem sollte ein Medium &#8211; je nach M\u00f6glichkeit &#8211; eine Interaktionsm\u00f6glichkeit bieten. Die Wahl des Themas sollte dabei bei mir liegen, nicht beim Produzenten des Mediums.<\/p>\n<h2>Rolle des Staates<\/h2>\n<p>Bliebe somit die Rolle des Staates zu diskutieren. Unter Beachtung der oben genannten Punkte ergibt sich hier konsequent ein Heraushalten des Staates bei der Erzeugung oder Lenkung von Inhalten &#8211; der Staat sollte allenfalls Objekt des Mediums sein oder klar erkennbar eigene Inhalte anbieten, die in der Berichterstattung als eines der Puzzleteile verwendet werden k\u00f6nnen. Eine andere Aufgabe, die der Staat bei Gestaltung von Medien einnehmen sollte, ist die F\u00f6rderung von Plattformen, die die oben genannten Kriterien erf\u00fcllen, oder Teilaspekte unter einhaltung dieser implementieren, ohne diese dabei in ihrem Wirken zu hindern.<\/p>\n<p>Und genau hier ist das Problem, was in beiden Artikeln angesprochen wird. Wenn man sich einmal die gro\u00dfen Tageszeitungen und Sender anschaut, so stellt man fest, dass diese zentral gelenkt werden und im Wesentlichen die gleiche Sichtweise darstellen, da im Wesentlichen die gleichen Interessenverb\u00e4nde die Lenkung des Inhaltes vornehmen und somit gezielt beeinflussen, welche Nachrichten als News auf die Titelseiten kommen. Von Neutralit\u00e4t kann in solch einer Konstellation kaum die Rede sein, zumal die Quellen und dargestellten Meinungen oftmals verschwiegen werden und somit eine Wertung solcher Beitr\u00e4ge nicht m\u00f6glich ist. Dies stellt im \u00fcbrigen einen gewissen Unterschied zu Blogs dar, bei denen man oftmals auf Grund des Betreibers eine Zuordnung der Interessen erreichen und somit in gewissen Rahmen eine Wertung vornehmen kann.<\/p>\n<p>Wenn also schon keine Zensur im Sinne von absichtlichem Entfernen von bestimmten Themen oder Meinungen unterstellt werden kann, so steht doch zumindest der Eindruck der Lenkung aus dem Hintergrund im Raum. Dies ist, im Gegensatz zu Italien wo eine offene Zensur vorherrscht, meines Erachtens sogar schlimmer, da man sich gegen etwas, was man nicht kennt, auch schlecht bzw. gar nicht wehren kann.<\/p>\n<h2>Information als Terrorwaffe<\/h2>\n<p>Nach dem dies nun gekl\u00e4rt ist, m\u00f6chte ich noch auf meine Eingangsthese zur\u00fcckkommen, dass freie Meinung eine Waffe der Terroristen ist. Diese These f\u00e4lle ich unter zwei relativ einfachen Annahmen:<\/p>\n<ol>\n<li>Jedes System strebt danach, sich selber am Leben zu halten<\/li>\n<li>Zur Erf\u00fcllung dieses Selbstschutzes, werden Gegner ausgeschlossen, in dem man sie ihrer Waffen beraubt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Bliebe noch zu kl\u00e4ren, welches System hier versucht, sich hier zu sch\u00fctzen. Die Medien an sicht sicherlich nicht, denn deren Aufgabe w\u00e4re ja genau die Umsetzung der oben erl\u00e4uterten Aufgaben; vielmehr werden die Medien hier missbraucht von den Leuten, die im aktuellen Gesellschaftsstand Einfluss gewonnen haben. Wer dies im einzelnen ist, \u00fcberlasse ich an dieser Stelle den Konspirologen, wichtig ist vielmehr dass unter der Annahme einer solchen Lenkungsgruppen zahlreiche Geschehnisse ein wenig klarer erscheinen.<\/p>\n<p>Doch was sind Waffen, mit denen man die Zensur umgehen bzw. bek\u00e4mpfen kann? Eigentlich alles, was dazu geeignet ist, eine Freie Berichterstattung zu erm\u00f6glichen und die Lenkung des Mediums zu korrigieren. Und hier spielt in erster Reihe das Internet eine gro\u00dfe Rolle, da es von seiner Struktur her jedem die M\u00f6glichkeit bietet, sich zu \u00e4u\u00dfern und somit verschiedene Meinungen zu verschiedenen Themen anzubieten. Damit ist jedes Konkurrenz-System auch immer eine Gefahr f\u00fcr einen selber, wenn man versucht, Kontrolle \u00fcber den eigenen Kanal auszu\u00fcben. M\u00f6chte man somit eine solche Lenkung unterbinden, ist es unerl\u00e4sslich, freie Medien zuzulassen, wenn nicht sogar zu f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Okay, aber ich h\u00f6r f\u00fcr diesen Beitrag erstmal an dieser Stelle auf. Das Thema ist einfach recht komplex und bietet auch bereits so mehr als genug Anhaltspunkte f\u00fcr Diskussionen. Mehr in diese Richtung wird es aber sicherlich noch mehr als genug geben.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=29&amp;md5=23023f70909c498c9537453538bbac68\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem kleinen Artikel &#8211; der glaub ich doch l\u00e4nger wird &#8211; m\u00f6chte ich ein paar provokante Hinweise an all diejenigen Geben, die sich schon immer einmal selbst gewundert haben, ob man denn sowas wie Presse- und Meinungsfreiheit \u00fcberhaupt brauch. 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