{"id":277,"date":"2009-10-25T11:03:40","date_gmt":"2009-10-25T10:03:40","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=277"},"modified":"2009-11-11T01:56:17","modified_gmt":"2009-11-11T00:56:17","slug":"urheberrecht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=277","title":{"rendered":"Urheberrecht"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder kommt die Frage auf, wie ein modernes Urheberrecht aussieht, da an einer ganzen Reihe von Stellen sich das bestehende Gesetz mit der Realit\u00e4t bei\u00dft. Dies mag eine ganze Reihe von Ursachen haben, u.a. das Lobbying verschiedener Konzerne, die Komplexit\u00e4t des Themas, aber wahrscheinlich auch die Alternativlosigkeit, die einige in entscheidenden \u00c4mtern empfinden. Dies m\u00f6gen alles dreis berechtigte Punkte sein, jedoch sollte man sich vor dem Erarbeiten einer L\u00f6sung vielleicht einmal mit einer Reihe verschiedener Ans\u00e4tze besch\u00e4ftigen, bzw. deren Ideen zusammentragen. Als Leitfaden f\u00fcr dieses Thema werde ich &#8211; auch wenn das Heise-Forum als Trollwiese verschrien ist &#8211; zwei Foren-Diskussionsbeitr\u00e4ge zu diesem Thema herausgreifen, zu denen ich mehr oder weniger detailliert Kommentare geben m\u00f6chte. Dies wird zwar mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit nicht das gesamte Thema erfassen, d\u00fcrfte aber die wesentlichen Aspekte abdecken.<!--more--><\/p>\n<h2>Realit\u00e4tsabgleich<\/h2>\n<p>Aber wie sieht diese Realit\u00e4t aus? Blickt man sich einmal um, so gibt es 2 Gruppen in dieser Diskussion: w\u00e4hrend die eine Gruppe auf den Zug der Technologie aufgesprungen sind und somit eine Vielzahl verschiedener M\u00f6glichkeiten dieser auch nutzen, <a href=\"http:\/\/blog.koehntopp.de\/archives\/2518-Falscher-Planet,-falsches-Jahrtausend.html\">existiert ein anderer Teil vielfach in Unkenntnis oder Ignoranz dieser Entwicklung<\/a>. Diese digitale Spaltung findet nicht zuletzt auch in der Politik Eingang, hat ihren Ursprung aber bereits darin, dass die Technologie den weitaus gro\u00dften, technophoben Teil bereits weit abgeh\u00e4ngt hat. Wie will man mit jemandem reden, dessen Sprache man nicht spricht &#8211; gar, wenn man selber nicht sprechen kann? Nicht nur deshalb ist es einfach nur ehrlich, <a href=\"http:\/\/www.abgeordnetenwatch.de\/dr_dieter_wiefelspuetz-650-5785--f180717.html#frage180717\">wenn ein Politiker als Vertreter dieser Gruppe offen sagt, dass er unsere Sprache nicht spricht<\/a>.<\/p>\n<p>Bevor man also anfangen kann, das Problem des Urheberrechts sinnvoll anzugehen, m\u00fcssen die Realit\u00e4ten gekl\u00e4rt und verstanden werden. Genau dieser Schritt fehlt an vielen Stellen, wenn ein Thema dieser Komplexit\u00e4t diskutiert wird. Warum also versuchen, etwas zu verteufeln, was man nicht versteht? Warum also Polarisieren, anstatt gemeinsam zu versuchen, auf eine L\u00f6sung hin zu arbeiten?<\/p>\n<p>M\u00f6chte man hierauf eine Antwort finden, sollte man sich zuerst \u00fcberlegen, welche Gruppen an diesem Konflikt beteiligt sind, bzw. beteiligt werden m\u00fcssten. Ohne umfangreiche Vorbetrachtungen \u00fcber die <a href=\"http:\/\/www.elektrischer-reporter.de\/rohstoff\/video\/143\/\">Umst\u00e4nde des aktuellen Systems<\/a> ist man somit leicht aufgeschmissen.<\/p>\n<p>Betrachtet man die Entstehung des Urheberrechts, so f\u00e4llt als erstes auf, dass das Urheberrecht in seiner Ursprungsform nur den Schutz des Urhebers und seiner Rechte gegen\u00fcber dem Verwerter bzw. dem Verleger regelt. Die heute in vielen Bereichen wichtige Rolle des Verbrauchers war in dieser fr\u00fchen Form noch nicht angedacht, geschweige denn relevant, was nicht zuletzt aus der damals vorherrschenden Verbreitungsform von Werken herr\u00fchrte. So war es in der Regel der Gestalt, dass ein K\u00fcnstler ein Werk schuf und der Verlag sich um dessen Verbreitung k\u00fcmmerte; incl. Werbung und Produktion. Eine R\u00fcckmeldung durch den Rezipienten des Werkes fand in den seltensten F\u00e4llen statt. Auch die M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den normalen Verbraucher waren nicht gegeben, womit einer gro\u00dffl\u00e4chigen Reproduktion der Werke hohe Grenzen auferlegt waren.<\/p>\n<p>Durch den technischen Fortschritt, insbesondere in den letzten 20 Jahren, wurden diese Barrieren aber zu einem erheblichen Teil gemindert, wenn nicht gar eliminiert. Mit einfachen Mitteln, oftmals ohne eigenen Einsatz des Konsumenten, ist eine Reproduktion von Werken m\u00f6glich, ohne dass ein Einsatz an Produktionsmitteln im herk\u00f6mmlichen Sinne erforderlich w\u00e4re. Die Knappheit, der es im \u00fcblichen Kreislauf von Angebot und Nachfrage bedarf, um einen gewissen Preis zu erzwingen, hat sich weitestgehen aufgel\u00f6st. Das Werk an sich steht unbegrenzt zur Verf\u00fcgung; nicht jedoch materielle Repliken, bzw. daraus gebildete G\u00fcter. Das Werk eines K\u00fcnstlers bietet in dem Sinne seinen Wert im wesentlichen aus seinem ideellen Wert; nicht mehr wie bisher aus dem seiner materiellen Instanz.<\/p>\n<p>Diese nahezu unbegrenzte Verf\u00fcgbarkeit erm\u00f6glicht neben der vereinfachten Vervielf\u00e4ltigung des Werkes aber auch ganz neue M\u00f6glichkeiten f\u00fcr den Umgang mit einem Werk. W\u00e4hrend bei einer rein materiellen Produktion das Werk an sich den Wert darstellt, ist es bei einer immateriellen Instanz die Idee. Dieses Gut, gekoppelt mit einer vereinfachten Verarbeitung &#8211; d.h. gesteigerter Schaffungseffizienz &#8211; f\u00fchrt dazu, dass es zu einer Vereinfachung der Schaffung abgeleiteter Werke basierend auf einem Original kommt. Somit wird der Konsument in zunehmendem Ma\u00dfe selber zum K\u00fcnstler, jedoch nicht wie im klassischen Modell gegen\u00fcber einem Verleger, sondern gegen\u00fcber seinem Publikum. Durch diesen Umschwung werden klassische, auf die Verbreitung \u00fcber feste Vertriebswege basierende Systeme ausgehebelt, wodurch es zur Schaffung neuerer, den M\u00f6glichkeiten angepasster Modelle kommt. Diese m\u00fcssen jedoch zwangsl\u00e4ufig auch den Konsumenten eintragen &#8211; eine Notwendigkeit, der sich die etablierten Verleger jedoch verweigern.<\/p>\n<p>Und diese Verweigerung kommt nicht von ungef\u00e4hr: Stellte man sich einmal vor, dass die Verleger wesentliche Teile ihrer Aufgaben verlieren, so werden sie \u00fcberfl\u00fcssig; wollten sie dennoch an einem reformierten System weiterhin teilhaben, so m\u00fcssten sie sich an dieses anpassen und sich in diesem neue Bet\u00e4tigungsfelder suchen. Doch welche Bereiche w\u00e4ren das, wenn weder die Produktion, der Vertrieb, noch das Verwalten von Verm\u00f6gen anderer und ihnen selbst \u00fcbrig bleiben? Vorerst wahrscheinlich nicht viele; jedoch k\u00f6nnte bereits einiges gewonnen sein, w\u00fcrden sich die Verlage mehr oder weniger auf ein dienstleistungsorientiertes System einlassen.<\/p>\n<p>Doch hierf\u00fcr m\u00fcssten neben einer ganzen Reihe von Umdenkprozesse auch konzeptionelle \u00c4nderungen in die Sichtweisen einer Industrie einflie\u00dfen, die sich bisher als Reproduktionsdienstleister f\u00fcr Kreative gesehen hat und dabei den Konsumenten mehr oder weniger als willkommene Einnahmequelle wahrgenommen hat.<\/p>\n<h2>Konzept<\/h2>\n<p>Doch f\u00fcr diese Restrukturierung eines derart gewachsenen Systems bedarf es eines Konzepts, was wenn m\u00f6glich alle Seiten und deren Interessen ber\u00fccksichtigt und angemessen vertritt. Es ist keinem etwas geholfen, wenn auf Grund einseitiger Regelungen die Reform des Systems abgelehnt wird und daher unn\u00f6tig verschleppt wird. Und Konzepte gibt es durchaus, selbst wenn diese nicht immer vollst\u00e4ndig oder in allen Punkten korrekt sein m\u00fcssen; sie bilden dennoch eine gute Arbeitsgrundlage, um darauf aufbauend ein System zu gr\u00fcnden, dem die Gerechtigkeit wieder inne wohnt. Und dabei bedarf es unter Umst\u00e4nden vielleicht nicht einmal gro\u00dfer \u00c4nderungen, wie dies ein <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/foren\/S-Bisschen-OT-Wie-macht-man-Urheberrecht-besser-ein-Versuch\/forum-159054\/msg-16749531\/read\/\">Beitrag im Heise-http:\/\/www.nytimes.com\/2009\/07\/27\/technology\/27disney.html?_r=1Forum<\/a> demonstriert.<\/p>\n<blockquote><p>Der Sinn und Zweck einer Verwertungsgesellschaft wie GEMA oder VG Wort\/Bild besteht darin, den Verwaltungsaufwand f\u00fcr das Eintreiben der Kosten f\u00fcr den jeweils einzelnen Rechteinhaber zu \u00fcbernehmen. Dabei steht die Verwertungsgesellschaft an vorletzter Stelle der Wertsch\u00f6pfungskette, bevor das Werk den Endkunden erreicht. Das letzte Glied ist der Werkeverwender, beispielsweise der Rundfunk, der Veranstalter eines Festes, ein Print- oder Netzmedium oder anderweitige Promoter.<\/p>\n<p>Die Werkeverwender k\u00f6nnen ob der Vielzahl der Werke verschiedener Rechteinhaber, die sie promoten somit an einer einzigen Stelle abrechnen, wobei die Verwertungsgesellschaft die Gesamtmenge der Einnahmen abz\u00fcglich ihres Verwaltungsaufwandes an die Rechteinhaber anteilig in Bezug auf die Masse der Verbreitung des Werkes aussch\u00fctten. Dabei wird je nach Qualit\u00e4t des Werkes ein Verteilungsschl\u00fcssel angewendet. F\u00fcr den Werkeverwender ist beispielsweise eine Auff\u00fchrung eines klassischen Musikst\u00fcckes mit Orchester preislich auf gleicher Ebene angesiedelt, wie Popul\u00e4rmusik, dennoch wird, ob des gr\u00f6sseren Aufwandes, ein orchestrales Musikst\u00fcck zu produzieren nach dem Verteilungsschl\u00fcssel eine gr\u00f6ssere Summe bei gleicher Auff\u00fchrungsmenge an den Rechteinhaber ausgegeben als bei Pop-Musik. Damit soll im Sinne der Kulturf\u00f6rderung eine so entstehende Wertdisparit\u00e4t ausgeglichen werden.<\/p><\/blockquote>\n<p>Wer bei dieser Darstellung nach den Unterschieden zum Ist-Zustand sucht, der findet im Wesentlichen &#8211; von der Theorie her &#8211; nur marginale Abweichungen. W\u00e4hrend es in der derzeitigen Fassung bereits Usus ist, durch die Verwerter einen zentralen Anlaufpunkt zu schaffen, ist deren Handeln oftmals nur schwer bis gar nicht nachvollziehbar. Dies r\u00fchrt nicht zulletzt aus der Art des verwendeten Verteilungsschl\u00fcssels her und bedarf somit einer h\u00f6heren Transparenz. Dies ist insbesondere daher n\u00f6tig, um jedem K\u00fcnstler, aber auch Au\u00dfenstehenden zu zeigen und nachvollziehbar darlegen zu k\u00f6nnen, dass bei dem verwendeten System maximaler Wert auf eine bestm\u00f6gliche, gerechte Verteilung der Einnahmen geachtet wird. Diese transparenz fehlt im derzeitigen System auf Grund der bewusst kryptisch gehaltenen Verteilungsschl\u00fcssel.<\/p>\n<p>Ein neuer Verteilungsschl\u00fcssel sollte daher nicht allein enthalten, wer f\u00fcr was wieviel erh\u00e4lt, sondern dies auch begr\u00fcnden. Nur durch eine solche Begr\u00fcndung von Ausgaben kann sichergestellt werden, dass der Schl\u00fcssel einerseits transparent ist, sondern zum anderen auch die verfolgten Intentionen ermittelbar werden und anhand der Umsetzung nachpr\u00fcfbar werden. Diese Kontrolle ist hierbei nicht optional, sondern in jedem System, welches sich nach demokratischen Werten ausrichtet immanent n\u00f6tig, da durch eine wirksame Kontrolle unbeabsichtigten Machtverschiebungen oder bewussten Manipulationen entgegen gewirkt werden kann. Diese Einflussnahme und Kontrolle sollte hierbei nicht durch das System selber, sondern durch Vertreter aller Fraktionen geschehen: W\u00e4hrend durch die Verbraucher das Interesse f\u00fcr f\u00f6rderw\u00fcrdige Inhalte dargelegt wird, k\u00f6nnten die K\u00fcnstler Hinweise f\u00fcr zu f\u00f6rdernde Inhalte geben, deren kulturelle Bedeutung f\u00fcr eine Bl\u00fcte des Systems als wichtig angesehen wird. Schlie\u00dflich bliebe f\u00fcr die Verwertungsgesellschaften als Einflussnahme der Kulturwerbung, bei der es darum gehen sollte, ggf. basierend auf W\u00fcnschen der anderen beiden Fraktionen vermittelnd einzugreifen und entsprechend der W\u00fcnsche f\u00fcr eine Forschung von Inhalten zu sorgen, ohne dabei unter Umst\u00e4nden nur als Randerscheinung auftretende Sonderformen zu zerst\u00f6ren. Sinn sollte dabei keinesfalls sein, als Promotion f\u00fcr eine bestimmte Gruppe von Einzelk\u00fcnstlern aufzutreten, sondern vielmehr durch allgemeine Einflussnahme die verf\u00fcgbare Vielfalt soweit es geht zu maximieren.<\/p>\n<h2>Vermarktung<\/h2>\n<p>Neben den Zielen, die mit Hilfe\u00a0 einer erreicht werden sollen, ist es aber auch dringend von N\u00f6ten, daf\u00fcr zu sorgen, den K\u00fcnstlern f\u00fcr ihre Arbeit angemessen zu danken. Nun unterteilt sich dieses Feld generell in 2 gro\u00dfe Teile: Zum einen, was kann der K\u00fcnstler tun, um sich selber und seine Werke zu vermarkten, und zum anderen, inwiefern er dabei die Vermarktung dennoch nicht zu sehr monopolisieren kann. Es ist zwar gut und auch richtig, wenn ein K\u00fcnstler frei entscheiden kann, was mit seinen Werken geschehen darf, ggf. auch \u00fcber deren Einsatz entscheiden kann &#8211; Kunst wirkt immerhin immer im Kontext der Pr\u00e4sentation -, darf er dennoch auf seine Rezipienten nicht soweit einschr\u00e4nkend wirken, dass diese als Konsumenten ohne Rechte dastehen.<\/p>\n<p>Ein lange Zeit lang verfolgter Ansatz ist die Nutzung von Kopierschutz-Ma\u00dfnahmen gewesen, die eine Vorstufe des heute verbreiteten DRMs (Digital Rights Managements; je nach Fraktion auch Digital Restriction Management) darstellen. Darunter versteht man im Wesentlichen jede Form von Techniken, die aktiv oder passiv daf\u00fcr sorgen, dass ein Autor entscheiden kann, was ein Konsument mit dem erworbenen Werk tut. Und obwohl die Idee, der Kontrolle der Nutzung per se ein m\u00f6glicher Ansatz ist, ist es mit der denkbar ung\u00fcnstigste von allen, da er einem System der Wertsch\u00e4tzung und des Vertrauens vollkommen widerspricht. Bei einem gesunden Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen K\u00fcnstler, Vermarkter und Konsument darf sich keiner \u00fcber den Tisch gezogen f\u00fchlen, jeder muss seine Rechte frei nutzen k\u00f6nnen und keine Partei darf der anderen diktieren k\u00f6nnen, wie die Verwendung des Werkes zu geschehen hat oder welche Rechte ein K\u00fcnstler abtreten muss, damit seine Werke \u00fcberhaupt vermarktet werden.<\/p>\n<p>Grundlage sollte daher im Allgemeinen Offenheit sein, da sich Kultur in einer Gesellschaft nur durch Austausch entwickeln und verbreiten kann. Und auch wenn es Leute gibt, die hieraus gleich den Ausverkauf der Kultur heraufbeschw\u00f6ren, so sollte man sich lieber einmal \u00fcberlegen, was unsere Kultur ausmacht: Im Wesentlichen Dinge, die ein K\u00fcnstler irgendwann einmal mit der Gesellschaft geteilt hat, statt sie f\u00fcr sich zu behalten. Offenheit muss hier also nicht zwangsl\u00e4ufig auch kostenlos hei\u00dfen, sondern bedingt einen fairen Umgang des K\u00fcnstlers mit den Rezipienten. Das Kulturgut an sich sollte von daher f\u00fcr jeden durchaus zug\u00e4nglich sein, jedoch darf der K\u00fcnstler durchaus dar\u00fcber befinden wie er f\u00fcr Unkosten f\u00fcr diese Zug\u00e4nglichmachung entlohnt werden m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Und gerade hier bietet sich ein gegenseitiges System durchaus an: M\u00f6chte ich privat etwas mit einem Werk anfangen, so sollte dessen Verwendung im Wesentlichen frei m\u00f6glich sein, da ich au\u00dfer an dem Kunstwerk keinen nachhaltigen Mehrwert daraus ziehen kann. Setze ich ein Werk hingegen in einem kommerziellen Umfeld ein, so sollte der eigene Mehrwert schon der Fairnis halber an den urspr\u00fcnglichen K\u00fcnstler weitergereicht werden: Wenn auch nicht ganz, aber zumindest in Teilen. In jedem Falle sollte der Urheber aber ein Recht darauf haben, dass er &#8211; unabh\u00e4ngig davon, ob sein Werk privat oder kommerziell wieder verwendet wird &#8211; ein Recht darauf hat, als dieser genannt zu werden. Kaum jemand wird, nicht einmal im privaten Umfeld etwas gegen eine solche indirekte Werbung f\u00fcr einen K\u00fcnstler haben, und da sich qualitativ \u00fcberzeugende Werke verbreiten, dient diese M\u00f6glichkeit gleichzeitig auch des K\u00fcnstlers, f\u00fcr sich selbst Werbung zu machen.<\/p>\n<p>Eine andere h\u00e4ufig vorgefundene M\u00f6glichkeit, die K\u00fcnstler haben, um auf sich aufmerksam zu machen sind ihre eigenen Homepages, auf denen sie interessierten die M\u00f6glichkeit bieten, sich \u00fcber die Werke zu informieren. Zu den hier vorgefundenen Angeboten geh\u00f6ren oftmals auch M\u00f6glichkeiten, in die Musik einer Band hineinzuschauen, Sampler von Filmen zu gucken, oder anderweitig einen Eindruck des Werkes zu sammeln. Hierbei ist es geradezu abwegig, dass ein K\u00fcnstler, f\u00fcr die Pr\u00e4sentation seines eigenen Werkes an einen ggf. eingeschalteten Vermarkter Geld abf\u00fchren muss, um sich selbst und sein Werk zu pr\u00e4sentieren &#8211; aber genau dies ist durchaus g\u00e4ngige Praxis. Eine solche Vorgehensweise widerspricht nicht nur dem Willen, des K\u00fcnstlers, sein Werk pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen, sondern widerspricht auch dem Interesse des Rezipienten, der unter Gesichtspunkten kein Interesse daran haben sollte, dass dem K\u00fcnstler f\u00fcr die Pr\u00e4sentation seiner Werke Nachteile entstehen.<\/p>\n<p>Aber zur\u00fcck zum Punkt der Kontrollm\u00f6glichkeiten, die ein K\u00fcnstler \u00fcber sein Werk behalten k\u00f6nnen sollte. Nehmen wir einmal an, dass das Werk eines K\u00fcnstlers im Rahmen einer Bewegung verbreitet wird, die kontr\u00e4r zu den Interessen unnd der Meinung des K\u00fcnstlers steht, so w\u00fcrde ein vollst\u00e4ndig unkontrolliertes System im Grunde nichts anderes bedeuten, als dass sich der K\u00fcnstler danebenstellen kann, um ein Schild mit der Verk\u00fcndung &#8222;Das gef\u00e4llt mir nicht!&#8220; hinzuhalten. Das andere Extrem w\u00e4re die vollst\u00e4ndige Kontrolle der Verbreitung durch den K\u00fcnstler, der vor jeder Verwendung seines Werkes erst einmal ein amtliches Intensionserfassungspapier einholen darf, auf dem neben Lebenslauf, Abstammung und Gem\u00fctslage jedes Bisschen im Leben des Konsumenten erfasst wird, bevor er dar\u00fcber entscheidet, ob das Werk einmalig f\u00fcr den angegebenen Zweck verwendet werden darf. Beide Extreme widersprechen hierbei grundlegend dem fairen Umgang, da im ersten Falle der K\u00fcnstler die Kontrolle vollst\u00e4ndig verliert, im zweiten Falle der Rezipient aber unter Generalverdacht gestellt wird und der K\u00fcnstler voll Willk\u00fcr entscheiden kann. Und genau hier sollte der gew\u00fcnschte Zustand in der Mitte desser Extrempole liegen:\u00a0 Der Konsument sollte weitestgehend frei \u00fcber die Verwendung des Werkes f\u00fcr sich entscheiden d\u00fcrfen, w\u00e4hrend der K\u00fcnstler genug Rechte beh\u00e4lt, um den Kontext der Verwendung sinnvoll gestalten zu k\u00f6nnen, ohne dabei jede Verwendung im Einzelnen der Willk\u00fcr zu \u00fcberlassen.<\/p>\n<p>Ein der Art auf Fairnis und Freiheit basierendes System bedingt aber auch eine Reihe von Vereinbarungen zwischen K\u00fcnstlern und Rezipienten: W\u00e4hrend der K\u00fcnstler die Freiheit des Konsumenten akzeptiert, mit seinem Werk im Grunde genommen zu tun, was er will, sollte der Kunde im Gegenzug kontrollieren, dass er diese Freiheit nicht dazu missbraucht, um dem K\u00fcnstler zu schaden. Statt also Regeln f\u00fcr die Verwendung per se aufzustellen, sollten vielmehr Regeln f\u00fcr die Sanktionierung der Gegenseite bei Missbrauch dieser Freiheiten erstellt werden, wobei Sanktionierung nicht zwingend finanziell geschehen muss, sondern auch durch zeitweiligen Entzug z.B. der Nutzungsrechte geschehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Nun wird sicherlich die Frage aufgetaucht sein, wie ein K\u00fcnstler in diesem Umfeld gerecht an seinen Lohn f\u00fcr die Arbeit gelangt. Neben dem klassischen Weg durch Verkauf von Medien wie CDs und Videos, sollte der Fokus auf aktiven Leistungen oder auf sein Werk aufbauenden Werken liegen. Somit sollte nicht nur das Geben von Konzerten, oder das Merchandising als Einnahmequelle verstanden werden, sondern theoretisch jegliche Zusatzleistung, die \u00fcber die Schaffung des Werkes hinaus geleistet wird. Insbesondere, da der Wert einer Sache von deren Knappheit sowie deren ideellen Wert abh\u00e4ngt, muss man, bei fehlender Knappheit &#8211; bedingt durch die einfache Reproduzierbarkeit mit Hilfe digitaler Technik &#8211; muss man somit entweder den ideellen Wert schaffen, oder den Wert durch Kombination mit einem knappen Gut (z.B. einem Live-Auftritt) kombinieren.<\/p>\n<p>In jedem Falle sollte man aber vermeiden, ein reichlich verf\u00fcgbares Gut k\u00fcnstlich zu verknappen, da man somit die eigenen Einnahmen ruiniert, sobald diese Verknappung umgangen werden kann. Und nichts anderes geschieht durch technische Neuerungen: Knappheiten, die auf Grund technischer M\u00e4ngel alter Verfahren bestehen, werden durch neue Techniken, die diese M\u00e4ngeln nicht oder weniger ausgepr\u00e4gt enthalten ersetzt. Das Festhalten an \u00fcberholten Verfahren ist somit auf lange Sicht der falsche Weg und sollte damit vermieden werden.<\/p>\n<p>Ausnahmen bestehen jedoch durchaus. Es ist falsch, anzunehmen, immer nur auf die neusten Techniken zu setzen, da es f\u00fcr Nischenm\u00e4rkte durchaus sinnvoll sein kann, \u00e4ltere Verfahren anzuwenden, also neben dem Vertrieb eines Werkes via Download auch klassisch CDs, Kasetten oder LPs anzubieten. Solange diese Angebote vorhanden sind, werden sich im Long Tail auch Abnehmer finden; dass hierbei jedoch auf eine Lagerung verzichtet werden sollte und stattdessen on-demand gefertigt werden sollte, geh\u00f6rt einen anderen BEreich.<\/p>\n<p>Ein durchaus wichtiger Aspekt bei der Wahl des eigenen Vertriebskonzeptes ist es, sich dar\u00fcber im Klaren zu sein, dass man als Unternehmer zwar Gewinn erzielen will, man diesen aber nur im Einverst\u00e4ndnis mit seiner Kundschaft erhalten kann. Daher darf man nicht den Kunden als Melkkuh betrachten, sondern als gleichwertigen Partner, der einem einen Mehrwert bietet. Nur wenn diese Werte &#8211; Angebot und Nachfrage &#8211; langfristig korrellieren kann man nachhaltig Wertsch\u00f6pfung betreiben. Somit kann, im Zuge der Gleichberechtigung aller beteiligten nur dann ein substanzieller Kompromiss geschlossen werden, wenn <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/foren\/S-Welches-Vermarkungsmodell-ist-denn-die-Zukunft\/forum-161158\/msg-16943263\/read\/\">alle Seiten daraus einen Mehrwert ziehen<\/a>, bzw. alle gleich stark benachteiligt werden. <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/kultur\/Urheberrecht;art772,2835794\">Vorschl\u00e4ge und Ans\u00e4tze<\/a> f\u00fcr eine derartige L\u00f6sung gibt es reihenweise.<\/p>\n<p>Aber lassen wir einmal das Urheberrecht beiseite und betrachten einmal das Umfeld. Neben der Kultur besteht der Schatz einer Gesellschaft auch aus Wissen. Dieses Wissen allen Menschen zug\u00e4nglich zu machen sollte in einer fairen GEsellschaft zu deren Zielen geh\u00f6ren. Vergleicht man diesen Umstand jedoch mit aktuellen Entwicklungen, so wirken diese rein gar nicht so, als ob die Verteilung des Wissens an die Gesellschaft als Ziel best\u00fcnde; vielmehr ist das Wissen an einigen wenigen Orten konzentriert entweder in Elfenbeint\u00fcrmen verschlossen, oder in Panzerschr\u00e4nken und Tresoren verbarrikadiert; getreu dem selbstgef\u00e4lligen und arroganten Spruch &#8222;Wissen ist Macht &#8211; nichts wissen macht nichts&#8220;. Frei zug\u00e4nglich sieht wahrlich anders aus.<\/p>\n<p>Wobei auch hier wieder der Punkt von oben gilt: Wissen ist, wie Kultur auch, elementarer Bestandteil einer Gesellschaft. Wer Wissen dazu missbraucht &#8211; ggf. sogar unter Ausnutzung anderer -, um sich selbst Vorteile zu verschaffen, teilt die Gesellschaft unweigerlich in eine gesellschaftsf\u00fchrende Elite sowie eine Unterschicht, die zunehmend vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen wird. Nimmt man zudem noch hinzu, dass dieser Ausschluss der unterschicht zu lasten und a fu Kosten dieser vorgenommen wird, so kann man ein solches Verhalten in keinem Falle begr\u00fc\u00dfen: Ein wesentlicher Teil der Wissenschaft wird derzeit aus \u00f6ffentlichen Geldern finanziert und sollte somit auch wieder der gesamten \u00d6ffentlichkeit, d.h. der gesamten Bev\u00f6lkerung zu Gute kommen.<\/p>\n<p>Statt dessen sieht die Realit\u00e4t ganz anders aus: Gro\u00dfe Forschungsprojekte werden aus \u00f6ffentlichen Geldern finanziert, um dann in privatwirtschaftlichen Unternehmungen in Produkte einzuflie\u00dfen, mit langj\u00e4hrigen Schutzrechten versehen zu werden um im Anschluss ein zweites Mal von der Gesellschaft bezahlt zu werden. Ein besserer Weg w\u00e4re hier mindestens die doppelte Zahlung durch die Gesellschaft einzuschr\u00e4nken, in dem man einmal durch die \u00d6ffentlichkeit bezahltes Wissen dieser auch &#8211; ggf. abgesehen von Kosten f\u00fcr dessen Reproduktion &#8211; kostenfrei an diese zur\u00fcckgibt. Nur so kann man das Wissen einer Gesellschaft f\u00f6rdern, ohne die Gesellschaft insgesamt aufzuspalten oder gegeneinander auszuspielen. Open Access geh\u00f6rt somit durchaus in den Themenkreis, stellt aber wiederum einen vollst\u00e4ndig eigenen Themenkomplex dar.<\/p>\n<p>Ein weiterer Komplex, der in diesem Zusammenhang oftmals in einen Topf geworfen wird, stellt die Netzneutralit\u00e4t dar. Diese hat weder etwas mit Urheberrecht, noch mit Open Access per se zu tun, bietet aber bei deren Umsetzung eine stabile Basis f\u00fcr die Gew\u00e4hrleistung der vorab genannten Konzepte. Und dabei stellt Netzneutralit\u00e4t durchaus nur einen kleinen Funktionsblock f\u00fcr eine funktionierende Gesellschaft bereit: den freien Austausch von Information, ungeachtet dessen, worum es sich bei dieser handelt. Somit bietet Netzneutralit\u00e4t die Basis daf\u00fcr, dass man seine Rechte bei der Nutzung von Kommunikationsmedien ungehindert im Rahmen des Zul\u00e4ssigen (und dar\u00fcber hinaus) nutzen kann, ohne dass von staatlicher Seite die Inhalte und ARt der Nutzung vorgeschrieben und damit Beeinflusst werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Offenheit bei der Nutzung von Kommunikationsmedien ist durchaus wichtig, auch wenn sie vielen erst einmal seltsam erscheinen mag, doch birgt das Ignorieren solcher Neutralit\u00e4tsregeln das Risiko der Nutzungs- und Inhaltsbevormundung durch die Privatwirtschaft, die in wesentlichen Teilen die Infrastruktur der Kommunikationsmedien bereitstellt. Bei solch einer BEvormundung w\u00e4re es von einfachem, ausgebremsten Datenverkehr von Fremdinhalten bis hin zu vollst\u00e4ndigen Sperren oder gar durch den Anbieter manipuliertem Content alles vorstellbar. Durch das Festschreiben inhalts- und dienstneutraler Transportregeln f\u00fcr Kommunikationsnetze kann eben diese Bevormundung eingeschr\u00e4nkt, bzw. bei \u00dcbertretungen sanktioniert werden.<\/p>\n<p>Bliebe in diesem Zusammenhang noch ein weiterer Punkt, der insbesondere in Kommunikationsnetzen &#8211; aber auch in der analogen Welt &#8211; mitspielt: Der Datenschutz. Dieser dient dem B\u00fcrger als Handhabe gegen die Ausforschung durch den Staat oder die Privatwirtschaft. Diese vermuten einen Vorteil durch die Durchleuchtung und Kategorisierung des B\u00fcrgers zu erhalten, missachten dabei jedoch, dass durch zu viel Beobachtung die jedem B\u00fcrger garantierte Freiheit genommen wird; insbesondere die Freiheit, selber \u00fcber das eigene Leben und seine Daten zu bestimmen.<\/p>\n<p>Eine Entm\u00fcndigung in diesem Bereich f\u00fchrt zwangsl\u00e4ufig zu einer Entm\u00fcndigung des B\u00fcrgers in seiner freien Entscheidung, da bei einer umfassenden Sammlung und Auswertung seiner Daten Profile sichtbar werden, die bei Abweichungen von der gesellschaftlichen Norm zu einer Vorverurteilung und damit zu gesellschaftlichen Nachteilen f\u00fchren.<\/p>\n<p>Ziel f\u00fcr eine Gesellschaft sollte es daher sein, die jedem innewohnenden Freiheitsrechte so gut es geht, durch Vertrauen ineinander zu sch\u00fctzen und die gegenseitige Kontrolle auf ein Minimum zu begrenzen &#8211; idealerweise gar abzuschaffen. Zu dieser Freiheit geh\u00f6rt nicht nur die breite gesellschaftliche Verf\u00fcgbarkeit von Kunst und Wissen, sondern auch der freie und unbehelligte Austausch von Informationen und Meinungen. In diesen Bereichen ein Umdenken anzuregen ist dringend geboten. Ein erster Schritt, dieses Vertrauen wiederherzustellen sollte dabei von den Verursachern der jetzigen Situation ausgehen, ohne diese jedoch zu Entscheidungen zu n\u00f6tigen, da derlei Entwicklungen ansonsten nicht nachhaltig gef\u00f6rdert und fortentwickelt werden k\u00f6nnen. Ein Weiter wie Bisher in Form von <a href=\"http:\/\/www.heise.de\/newsticker\/foren\/S-Re-Kulturflatrate-Meine-Ideen\/forum-161843\/msg-17004618\/read\/\">Pauschalabgaben<\/a> ist hierf\u00fcr sicherlich der Falsche Weg, da er nichts Grundlegendes an der aktuellen Misere \u00e4ndert.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"https:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=277&amp;md5=962b3caa8709c64a33ed0296e914da27\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder kommt die Frage auf, wie ein modernes Urheberrecht aussieht, da an einer ganzen Reihe von Stellen sich das bestehende Gesetz mit der Realit\u00e4t bei\u00dft. Dies mag eine ganze Reihe von Ursachen haben, u.a. das Lobbying verschiedener Konzerne, die Komplexit\u00e4t des Themas, aber wahrscheinlich auch die Alternativlosigkeit, die einige in entscheidenden \u00c4mtern empfinden. 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