{"id":447,"date":"2010-01-19T01:54:01","date_gmt":"2010-01-19T00:54:01","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=447"},"modified":"2010-01-19T01:54:01","modified_gmt":"2010-01-19T00:54:01","slug":"ethik-bei-software-programmierern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=447","title":{"rendered":"Ethik bei Software-Programmierern"},"content":{"rendered":"<p>Immer wieder gibt es eine ganze Reihe von Projekten, bei denen man als ethisch denkender Mensch niemals seine Unterst\u00fctzung geben w\u00fcrde. Gerade, wenn es darum geht, dass mit einem Projekt anderen Menschen Schaden zugef\u00fcgt werden soll, w\u00e4re die Frage doch eher, ob solch eine Entscheidung wirklich den eigenen, moralischen Zielen entgegen kommt.<!--more--><\/p>\n<p>Und wenn ich gemein w\u00e4re, w\u00fcrde ich auch an dieser Stelle mit meinem Post aufh\u00f6ren, und die Frage wirken lassen, aber da ich selten Fragen aufwerfe, ohne zumindest eine Antwort zu versuchen, werde ich dies auch bei diesem Thema versuchen. Denn das Thema l\u00e4sst sich insgesamt nur schwer fassen, weshalb ich einmal ein paar konkrete Beispiele geben m\u00f6chte, mehr oder weniger inspiriert, durch einen Post, der bereits <a href=\"http:\/\/blog.fefe.de\/\">bei einem anderen empfehlenswerten Blog<\/a> <a href=\"http:\/\/blog.fefe.de\/?ts=b44ac193\">vor bereits etwas l\u00e4ngerer Zeit<\/a> schwarz auf wei\u00df (Standardlayout) zu lesen war. Fefe nimmt mit seinem Beitrag zwar einen anderen Aspekt der Thematik unter die Lupe, um dabei aber im Endeffekt auf ein zumindest \u00e4hnlich gelagertes Problem zu weisen: Wie sorgt man daf\u00fcr, dass ein Projekt von Programmierern durchgef\u00fchrt wird, die nicht nur in der Lage sind, dieses zu leisten, sondern unter Umst\u00e4nden auch genug R\u00fcckgrat, um bei ihrem Tun ethisch zu handeln?<\/p>\n<p>Nun ist die Schlussfolgerung, zu der Fefe kommt durchaus nachvollziehbar, ist aber gl\u00fccklicherweise nicht unausweichlich. Vielmehr gibt es unter gewissen Umst\u00e4nden einen durchaus gangbaren Weg, auf den ich gleich zur\u00fcckkommen m\u00f6chte. Vorerst m\u00f6chte ich aber noch ein zweites Thema ins Feld f\u00fchren, was an vielen Stellen sehr \u00e4hnlich gelagert ist: Sollte man Projekte unterst\u00fctzen, deren Ziele der eigenen Ethik widerstreben? <\/p>\n<p>Wer diese Frage eben ohne Z\u00f6gern mit &#8222;nein&#8220; beantworten konnte, dem zolle ich meinen Respekt, denn ich kann es &#8211; sp\u00e4testens seit ich den erw\u00e4hnten Post gelesen habe &#8211; nicht mehr. Auch ich habe durchaus eine ganze Zeit die \u00dcberzeugung vertreten, dass man sich aus solchen Projekten heraushalten sollte; eine aktive, gar f\u00f6rdernde Beteiligung war mindestens ausgeschlossen. Ja, diesen Punkt sehe ich auch immer noch so, doch halt! Ist das ethisch wirklich richtig?<\/p>\n<p>Auch wenn Kant&#8217;s <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kategorischer_Imperativ\">kategorischer Imperativ<\/a> an vielen Stellen schwerlich anwendbar ist, kann er in diesem konkreten Fall durchaus eine erste Richtung zeigen: \u00dcbertr\u00e4gt man das auf obige Situation und formuliert diesen Grundsatz zu einem allgemeing\u00fcltigen Gesetz &#8211; &#8222;Halte dich aus Projekten, die deiner Moral widerstreben fern!&#8220; -, so folgt daraus, allein, weil jeder eine andere Moralvorstellung besitzt, dass es immer eine Teilmenge einer Gesellschaft geben wird, die ein Projekt (z.B. Software f\u00fcr Bomben) mit ihrem Gewissen vereinbahren k\u00f6nnen. Vielmehr &#8211; und hier stimme ich Fefe zu &#8211; verschlimmert man die Situation durchaus noch, da man in diesem Zusammenhang genau jene Leute nicht mehr in diesen kritischen Positionen hat, die sowohl ihre F\u00e4higkeiten einsch\u00e4tzen, als auch das &#8211; gesellschaftlich n\u00f6tige &#8211; ethische Handeln durchsetzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Wenn nun aber dieser Ansatz an sich bereits zum Scheitern verurteilt ist, da selbst bei vollst\u00e4ndig korrektem Verhalten nach dem kategorischen Imperativ kein ethisches Verhalten garantiert werden kann, muss eine andere Wahl gefunden werden. Damit eine Gesellschaft frei und verantwortungsbewusst agieren kann, muss jedes ihrer Mitglieder frei und verantwortungsbewusst agieren k\u00f6nnen [<a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/w\/index.php?title=Ethischer_Imperativ&#038;oldid=50069775#cite_note-2\">*<\/a>]. Einen m\u00f6glichen Ansatz kann hierbei der <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ethischer_Imperativ\">ethische Imperativ<\/a> bieten: Statt die Teilnahme an derlei Projekten vollst\u00e4ndig auszuschlie\u00dfen, bietet der ethische Imperativ die durchaus praktikable L\u00f6sung, das Projekt durch eine aktive Teilnahme von innen heraus zu unterwandern.<\/p>\n<p>Nun ist auch dies bei grober Betrachtung keine gute Wahl, jedoch im Anbetracht der M\u00f6glichkeiten in vielerlei Hinsicht besser zu bewerten, als anderen das Feld zu \u00fcberlassen und still das Schlimmste abzuwarten. So seltsam die klingen mag, jedoch ist das Mitarbeiten am Projekt &#8211; nach besten Wissen und Gewissen &#8211; wahrscheinlich der einzige Weg, seine ethischen und moralischen Vorstellungen durchzusetzen. Und sei es, um durch sein Handeln Einfluss auf das Projekt zu nehmen, der einem allein durch den kategorischen Imperativ versagt gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Es ist damit weniger die eigene ethische Vorstellung interessant, sondern wie man diese in einem gesellschaftlichen Kontext einbringt &#8211; Ethisches Verhalten funktioniert allein auf dem Papier nicht, sondern muss mit Leben erf\u00fcllt und gelebt werden. Wer regeln still akzeptiert &#8211; und seien es seine eigenen &#8211; hat von Anfang an verloren: Er ist nicht nur unfrei im Sinne der Aufkl\u00e4rung, sondern vielmehr <a href=\"http:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Diskordianismus\">in seinen eigenen Dogmen gefangen<\/a>, die es gilt, aufzubrechen.<\/p>\n<p>Was im Endeffekt die richtige L\u00f6sung sein wird, um sowohl Ethik als auch Verantwortung in Bereiche zu tragen, die den g\u00e4ngigen Vorstellungen Widerstreben, ist im Endeffekt unklar. Sich der eigenen Ethik und Verantwortung deshalb jedoch zu entziehen ist jedoch in jedem Fall der falsche Weg.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=447&amp;md5=935801e8ed58f9415eadd60d180bfff2\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Immer wieder gibt es eine ganze Reihe von Projekten, bei denen man als ethisch denkender Mensch niemals seine Unterst\u00fctzung geben w\u00fcrde. 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