{"id":1187,"date":"2012-03-14T23:59:55","date_gmt":"2012-03-14T22:59:55","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=1187"},"modified":"2012-03-15T00:01:56","modified_gmt":"2012-03-14T23:01:56","slug":"frustration-der-verzweiflung","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?p=1187","title":{"rendered":"Frustration der Verzweiflung"},"content":{"rendered":"<p>Als indirekte Antwort zu einem <a href=\"http:\/\/teawork.de\/zukunft\/\">Beitrag bei Teekeks<\/a>.<\/p>\n<p>&#8222;Ich hasse es!&#8220;, drehte er sich um. Wieder einmal la\u00df er entgegen seiner \u00dcberzeugung das Totholz, was sich selbst Zeitung schimpfte. Er war schnell fertig, denn au\u00dfer Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht stand da nicht viel. Zumindest keine der relevanten Nachrichten. Zum Beispiel die explodierenden Tankstellen auf Grund explodierender Benzinpreise, oder die Arbeitslosigkeit trotz Arbeitsamt, oder der Abbau von B\u00fcrgerrechten. Frustriert presste er wortlos dem verwirrten Verk\u00e4ufer die halb zerkn\u00fcllte Ausgabe wieder in die Hand. Verdutzt schaute ihm der Verk\u00e4ufer hinterher; jedoch ohne Kraft, seine Stimme zu erheben. F\u00fcr diesen Hungerlohn war es diese Badlekt\u00fcre jedenfalls einfach nicht wert.<!--more--><\/p>\n<p>Er verlie\u00df den Kiosk ohne sich weiter umzublicken. Er schaute sich nicht um. Keiner schaute sich \u00fcberhaupt je um. Alles ging nur stupide seinem Alltag nach. Business as Usual. An ihm streiften zahllose inhaltslose Gesichter vorbei, manche hetzend, manche abwesend; jedoch keines zeigte eine Regung. Alles floss eindruckslos an ihm vorbei, als er auf dem Weg zu seinem Ziel war, welches er mit einer Reihe anderer Leute teilte.<\/p>\n<p>Es war der Platz vor einem Verwaltungsgeb\u00e4ude. Glasfassade. Leblos-trist, wie der Rest der Landschaft. Nur ein leichtes, immer lauter werdendes Rauschen war aus der Menge zu vernehmen. Die Menge, teils maskiert, teils mit Plakaten bewaffnet, kam zusammen an diesen Ort, um f\u00fcr die anstehenden Entscheidungen Argumente vorzutragen: Argumente, die sonst einfach ignoriert wurden. Ehrlich gesagt: Selbst diese Gruppe wollte diese Argumente bereits nicht mehr h\u00f6ren, denn sie war es leid, diese immer wieder vortragen zu m\u00fcssen. Die zu treffende Entscheidung sollte den Handel st\u00e4rken, die Wirtschaft ankurbeln und so dem Verbraucher n\u00fctzen &#8211; hie\u00df es von hinter verschlossenen T\u00fcren.<\/p>\n<p>&#8222;WIR m\u00fcssen reden, &#8230;&#8220; rief er ins Mikrophon, als er endlich auf der B\u00fchne ankam. Er sah viele unbekannte, aber auch zahlreiche vertraute Gesichter. Nach einem kurzen Anschwellen der Lautst\u00e4rke vor ihm setzte er ruhig fort. &#8222;&#8230; nicht unter uns, sondern mit den Sheeple um uns herum, Max und Erika Mustermann, die gestresst vom status quo morgens zur Arbeit gehen, um abends ersch\u00f6pft ins Bett zu fallen, resignierend ob der Lasten, die ihnen dieser Staat, diese Gesellschaft auferlegt hat.&#8220; Er hielt ersch\u00f6pft inne, um seine bereits schwindende Kraft wieder zu sammeln. &#8222;Wenn WIR uns hier zeigen &#8211; Pr\u00e4senz zeigen -, so sollten wir hoffen, eine Mehrheit hinter uns zu wissen.&#8220; Erschrocken fuhr er zusammen. Ihm d\u00e4mmerte die Absurdit\u00e4t des gerade Gesagten.<\/p>\n<p>Nichts, was er gesagt hat war real. Welche Mehrheit? F\u00fcr was? Und vor allem: Was sollte sich \u00e4ndern? Im Versuch, sich erneut zu sammeln schaute er sich um. &#8222;Ja was?&#8220;, stellte er sich insgeheim selber die Frage, als er in der Menge zahlreiche Ger\u00e4te erblickte, die ja regelrecht nach DRM, nach Knechtung des Nutzers schrien. Von dieser Gruppe jedenfalls w\u00fcrde er nichts zu erwarten haben. Ob SIE ihn wohl \u00fcberhaupt verstehen w\u00fcrden? Generell war das gesamte Thema ehe abstrakt, fast bereits ein wenig meta. Wenn er schon den Leuten vor Ort nicht erkl\u00e4ren konnte, was diese Entscheidung bedeutet, wie soll Erika Mustermann es dann verstehen?<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Atempause fasste er neue Kraft. &#8222;Und dazu reicht es nicht, hier zu sein, viele zu sein, sondern wir m\u00fcssen den Leuten das Thema nahe bringen. R\u00fcttelt die Leute wach, damit sie erfahren, was in diesem Land passiert.&#8220; Und er wurde von schallendem Gel\u00e4chter unterbrochen. Eine Schemenhafte Figur mit einem &#8218;[[CITATION NEEDED]]&#8216;-Schild in der Hand  rief \u00fcber den Platz &#8222;Aber das wissen die doch schon!&#8220; Und das menschliche Mikrophon wiederholte. Schockiert \u00fcber diese Erkenntnis, die er sich selbst nie eingestehen wollte, fragte er geknickt zur\u00fcck: &#8222;Wenn sie es wissen, wenn ihr es wisst, wenn jeder dieses offene Geheimnis kennt, &#8230; was wollen wir hier?&#8220; Seine Stimme bekam einen bitteren, fast schon verzweifelten Unterton und er betete innerlich, dass jemandem aus dem Publikum ein rettender Einfall k\u00e4me.<\/p>\n<p>Doch keiner r\u00fchrte sich. Niemandem wollte der rettende Einfall kommen. Die t\u00e4glichen Skand\u00e4lchen, die Sparpakete am kleinen Manne, die illegal gef\u00fchrten Angriffskriege. Ja, alles war bekannt. Wer wollte, bekam seine Nachrichten. Denn dieser graue Brei f\u00fcr die Masse war nur Quote. Insgeheim WOLLTEN die Leute diesen Schund lesen. Doch wer Nachrichten wollte, bekam sie. Eine Zensur findet nicht statt!?<\/p>\n<p>Noch einmal wandte er sich gen grauer Masse, die ob der zahlreichen Masken schon l\u00e4ngst ihr Gesicht verloren hatte. &#8222;Geht hinaus und sucht Unterst\u00fctzung,&#8220; bat er, nun fast flehend die Versammlung vor ihm, &#8222;denn allein sind wir zu Wenige.&#8220; Noch einmal versicherte er sich ob der Menge vor ihm; gute tausend Mann, \u00fcberschlug er f\u00fcr sich. &#8222;Nur wenn wir ermitteln k\u00f6nnen, dass wir auf einen Eisberg zusteuern, k\u00f6nnen wir hoffen, den Kurs noch rechtzeitig zu \u00e4ndern.&#8220; Sichtlich geknickt und ausgelaugt von seinem Auftritt verlie\u00df er die B\u00fchne. <\/p>\n<p>Auf dem nun noch obligatorischen Umzug von A nach B w\u00fcrden wieder viele Passanten ungeachtet vorbeihetzten. Keiner w\u00fcrde ihnen trotz ihrer Zahl Beachtung schenken. 1000 Mann? Es sind w\u00f6chentlich mehr Leute bei Brot und Spielen, als das. Zerknirscht folgte er dem Trott, der unter schlecht einge\u00fcbten, lausig gef\u00fchrten Sprechch\u00f6ren und in sich uneins versuchte Aufmerksamkeit zu erhaschen.<\/p>\n<p>Sobald er wieder in den 4 W\u00e4nden ist, die er sein Zuhause nennt, w\u00fcrde er seine Gedanken niederschreiben, damit ihn andere verbessern k\u00f6nnen, um SEINE Gedanken weiterzutragen. In Gedanken versunken und wegen der schlechten Akzeptanz des eigentlichen Problems entschied er sich gedankenversunken diesen Trott zu verlassen, als er pl\u00f6tzlich eine Rangelei vernahm.<\/p>\n<p>Da sonst niemand in seiner Umgebung der Situation Beachtung schenkte, entschloss er, sich dieser behutsam zu n\u00e4hern. Als er jedoch kaum 5 Schritte gegangen war, bemerkte er einen Kreis schwarzer Uniformen um sich herum. Aus der N\u00e4he sah er das eingesch\u00fcchterte Opfer. Als die Vertreter des Staates erneut ausholen, wirft er sich vor den Jugendlichen, der wie auch er dieses Land liebt. <\/p>\n<p>Er liebt dieses Land, seine Leute. Er hat nichts auszusetzen an seinem Leben, denn er hat alle Freiheiten, die er sich w\u00fcnscht, kann tun und lassen was er will; allein frei ist er nicht.<\/p>\n<p>Dankend schaut ihm der Jugendliche ins Gesicht, seine Lippen zu den Worten &#8222;F\u00fcr Ver\u00e4nderung&#8220; geformt, als die Schlagst\u00f6cke der Beamten auf seinen R\u00fccken, seine Rippen, seinen Kopf einprasseln. Und er empf\u00e4ngt ihre Schl\u00e4ge mit Genugtuung, denn er wei\u00df sicher: wie auch er, wird alles ein Ende haben. Doch auch er wird nichts ver\u00e4ndert haben.<\/p>\n<p class=\"wp-flattr-button\"><a href=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/?flattrss_redirect&amp;id=1187&amp;md5=f22621d20328c5394d38bd293d760aba\" title=\"Flattr\" target=\"_blank\"><img src=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" srcset=\"http:\/\/blog.benny-baumann.de\/wp-content\/plugins\/flattr\/img\/flattr-badge-large.png\" alt=\"Flattr this!\"\/><\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als indirekte Antwort zu einem Beitrag bei Teekeks. &#8222;Ich hasse es!&#8220;, drehte er sich um. Wieder einmal la\u00df er entgegen seiner \u00dcberzeugung das Totholz, was sich selbst Zeitung schimpfte. Er war schnell fertig, denn au\u00dfer Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht stand da nicht viel. Zumindest keine der relevanten Nachrichten. 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